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Irgendwie dachte ich die Tage: Den Kommentar zu Gellays Kolumne solltest du in deinem Blog auch verewigen. Wer die Kolumne noch nicht kennt, sollte sie nochmal lesen (siehe Link unten). Wer keine Lust drauf hat, wird den Kommentar dort unten sicher auch so oder so verstehen können 
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We dream and we ponder.
Sehr interessant, dass diese Thematik hier angesprochen wird. Ich habe den Film "die fetten jahre sind vorbei" selbst zwar noch nicht gesehen, aber den Gedankenanstoß kann ich gut nachvollziehen, da ich mir selbst bereits Überlegungen dazu gemacht habe. Die Konsequenz dieser ist recht leicht und doch schwerwiegend:
Ich lebe.
Was darf man darunter verstehen und wie ist es möglich aus einer Reihe von Sub-Überlegungen und kategorisch andersgeordneten Gedankenkanälen auf diese zwei Wörter zu kommen? Obacht, in diesen zwei Wörtern steckt mehr, als man zunächst vermuten würde, denn all dies, was diese kleine Buchstabenkonstellation anprangert, ist der Fakt, dass die meisten Menschen in dieser modernen (und eher schlechten) Gesellschaft zu sehr mit "dream and ponder" beschäftigt sind, anstatt zu überlegen, was für sie selbst wichtig ist und in wie weit die persönlichen Dimensionen reichen.
Manche Menschen sind der Ansicht, dass man nur für die Rente arbeitet, manche glauben, dass Arbeit den Hauptbestandteil des Lebens ausmacht und das immer grösserer Lohn und immer grösserer Machteinfluss das einzige Ziel ihres beruflichen und letztendlich auch menschlichen Daseins ausmacht. Für mich ein schlicht irreführender Glaube. Obgleich ich 8 Stunden oder mehr mit meinem Beruf beschäftigt bin, ist doch die Arbeit an sich Nebensache. Die "Nebensachen" d.h. die angeblichen Nichtigkeiten und persönlichen Dinge machen doch erst das Leben aus und der Beruf sollte eigentlich der Treibstoff sein, um diese Maschine in Gang zu kriegen. Wie für jeden selbst diese Kleinigkeiten aussehen und in wieweit man seine beruflichen Ziele steckt, das bleibt jeden sicherlich selbst überlassen und ist schlicht eine Frage der eigenen Prioritätensetzung. Klar, die kann selbstverständlich auch grössere Dimensionen annehmen als das eigene Drumherum.
Doch: Bis wohin gehen meine Dimensionen? Wie weit kann ich realistisch gesehen kommen? Wenn ich in dem Beruf X so und so viele Jahre arbeite, kann ich dann ab Y Jahren mich wirklich dem Leben widmen? Oder habe ich da keine Chance und sollte lieber diesen Beruf länger ausführen und nebenbei anfangen zu leben? So früh leben wie möglich, dass wollen wohl alle, aber nur den wenigsten ist es gegönnt, da - wie unschwer zu erkennen - politisch und wirtschaftlich seltsame Dinge vor sich gehen. Aber auch wenn diese Faktoren besser laufen, ist es nicht gleich für alle Beteilligten möglich, mehr zu leben. Eine umfangreiche Veränderung muss global her, keine Frage, aber um wirklich davon etwas zu merken, sind einfach zu viele Menschen auf diesem Planeten da, gar zu viele in Europa oder meinetwegen Deutschland. Und nur weil sich etwas besser anhört, muss ich nicht spürbar besser sein. Traurige Wahrheit.
Was also tun? Leben.
Und was ist dabei besonders wichtig? Sich selbst treu bleiben.
We dream and we ponder. Vielleicht sind schon ein paar kleine Träume zu erfüllen, auch wenn ich keinen kick-ass-Job habe. Und auch wenn die Arbeitslage echt bescheiden ist, werde ich einen Teufel tun und meine eigenen Ideale bzw. Prinzipien über Bord werfen.
Das die Arbeitslage nicht schön ist und z.B. bei der Auszubildenen-Suche mit dreckigen Tricks gearbeitet wird, merken ich und meine bessere Hälfte gerade besonders: Erst letzte Woche habe ich einen Einstellungstest geschrieben, morgen folgt der nächste. Ersterer war angereichert mit sinnlosen Fragen wie "Wie lang ist ein 10 ?-Schein?"
Bei einem potentiellen Vorstellungsgespräch heisst es bei der nächsten an mich gerichteten, intim-persönlichen Frage von meiner Seite aus: "Hiermit ist das Gespräch beendet." Erst letztens habe ich einer grossen Webdesign-Firma Namens "ITNT" eine Absage erteilt. Die wollten mich offenbar haben (aus 650 Bewerbern unter die 5 Auserwählten gekommen), aber deren konservatives Auftreten und amerikanisierte Arbeitsweise haben mich angekotzt. Bei der toternst gemeinten Frage des obersten Chefs "Sind sie gläubig?" war der Fall für mich klar.
3 Jahre lang schauspielern und in den Arsch kriechen? Fuck. Da schreibe ich lieber sinnlose Bücher und hoffe auf den Nobelpreis. Da schwimme ich lieber gegen den Strom und bleibe mir selbst treu.
We dream and we ponder.
Für ein paar dreams muss ich wohl noch etwas pondern, aber bisher bin ich recht zufrieden und ich springe so lange zur nächsten und nächsten Zukunftsinsel, wie ich sie sehen und erreichen kann. Wenn ich mal danebenspringen sollte: Ich kann zur letzten Insel zurückschwimmen. Und vielleicht wage ich später erneut einen Sprung.
Ob mit oder ohne mich: Die fetten Jahre sind selbstverständlich schon längst vorbei (wenn es sie überhaupt gegeben hat). Wer Lust hat zu revoluzzen, darf mir auf den AB sprechen, ich übe schonmal den nächsten Sprung auf diese Insel dort drüben. Zu zweit.
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