Du Möpp, du warst aufm NIN Konzert O.o
Aber um nochmal Year Zero aufzugreifen, hier mein übliches Track-to-Track Gedöhnse:
HYPERPOWER!
Year Zero beginnt mit Drums. Treibende Live Drums, eingespielt von NIN-Neuling Josh Freese in dessen Hintergrund eine Stimme irgendetwas im Takt ruft (ähnlich dem Intro von Muses Absolution). Dann bekommt der Song einen fetten Bass, zu der sich eine Gitarre gesellt, die eine spannende Atmosphäre aufbaut. Höre ich da Schreie im Hintergrund? Anscheinend, denn die letzten acht Takte EXPLODIERT der Song in einem Meer aus aggressiven Gitarren, Schreien und etwas das klingt wie Waffenfeuer. Was zum Henker passiert hier?
The Beginning Of The End
W00t, weitere Drums! Endlich hör ich sie in HiFi und muss nicht mehr auf den dämlichen Radio-Rip zurückgreifen. Dieser Song geht ziemlich nach vorne. Er baut sich zuerst nur aus Rhythmusgitarren, Drums und natürlich Trents Stimme zusammen, doch bekommt dann viele weitere Soundlayer, wie z.B. extrem langgezogene Gitarrensounds und heftige Synthies, die etwas an die 80er erinnern. Nach dem brachialen Intro HYPERPOWER! ist The Beginning Of The End ein richtig schön harmonischer Song, der kurz vor Schluss ein richtig geiles Elektro-Orgie Synthiesolo hat. Hm, klingt Trents Stimme nicht irgendwie anders als sonst?
Survivalism
Yeah, die erste Singleauskopplung! Eine gute Wahl, wie ich finde, auch wenn er den Rest des Albums nicht wirklich representieren kann, da er ziemlich heraussticht. Er beginnt mit ziemlich schnellen, aber auch ziemlich minimalistischen FM Drums, die einen automatisch zum Fußwippen o.ä. einladen. Trent singt über die üblichen Gitarre- und Basssounds abgehackte, fast militärisch klingende Lyrics, und plötzlich BOOOM, der erste Refrain. Wie aus einer Maschinenpistole hämmern uns die NIN Leude ihre Sounds entgegen. Könnte für Überraschungen sorgen, nach der eher seichten Strophe. Nach einer weiteren Strophe und einer unglaublich geilen Bridge mit verzerrten Drums und alles kommt noch einmal ein etwas alterierter Refrain und dann ein Gitarrensolo, dass aus dem Song führt. Wenn ich genau hinhöre, erinnert mich die Gitarre etwas an das musikalische Hauptthema von dem Titeltrack Reznors vergangenem Meisterwerks The Downward Spiral. Ein Omen, dass dieses Album mindestens genauso genial sein wird?
The Good Soldier
Entschuldigt bitte die offensichtliche Wertung aber DIESER SONG IST SOOO GEIL!!! Er beginnt erneut mit Drums (Trent scheint Gefallen an Songs zu haben, die mit Drums beginnen) und einer seichten Gitarre. Dazu Trents Stimme. Er singt "[...] and the bass goes BOMB", und wird genau ab dem Wörtchen "bomb" von Bass begleitet. Kleines Detail, aber unglaublich PFIFFIG. Der Song wird echt funky. Nach einem kleinen Break ertönt der Refrain. Trent in Bestform. Hat der Mann Stimmbildung genossen? Die aus dem Alternative Reality Game bekannten Worte "I am trying to believe" haben hier ihren Auftritt. Verträumte Gitarren und (im zweiten Refrain) ein Glockenspiel begleiten ihn. Überraschend harmonisch. Kurz vor Schluss geht der Song richtig auf: zuerst wirkt es wie ein Gitarrensolo, das die Harmonie perfekt anführt, wird jedoch verschmolzen mit langgezogenen Synthiesounds und dem Glockenspiel aus dem Refrain. Wunderschön! Ich hab Pipi in den Augen!
Vessel
Entschuldigt bitte nochmal die offensichtliche Wertung aber DIESER SONG IST AUCH SOOO GEIL!!! Wo eigentlich die allerletzte Basedrum von The Good Soldier ertönen sollte begrüßt uns plötzlich ein äußerst merkwürdiger Synthiesound. Was zum TEUFEL sind das für SOUNDS, VERDAMMT? Alles wirkt wie durch einen laufenden Ventilator aufgenommen, da alles irgendwie verzerrt und schwammig klingt. Dadrüber natürlich wieder Trent. Er erinnert mich etwas an With Teeths Titeltrack. Er flüstert fast und wird deswegen manchmal von den Elektrosounds überlagert, was aber irgendwie den Rhythmus extrem verstärkt. Fußwippen Ahoi! Während der zweiten Hälfte der Strophe ertönt im Hintergrund ein ... verzerrter ... Gitarren(?)sound, der einem eine Gänsehaut einjagt, da er irgendwie ... haunted klingt. Zeit für den Refrain. "OH MY GOD!" Und damit sagt Trent aus, was man beim ersten Hören denkt. Im Refrain klingt alles nochmal so verzerrt wie zuvor, allerdings schimmert durch den ganzen Krach eine wunderbare Melodie, die im zweiten Teil durch eine Gitarre unterstützt wird. GEIL! Nach einer kurzen Verschnaufpause, gehts wieder ab: ELEKTRO-ORGIE!!! Die Sounds häufen und häufen sich, irgendwann kommt dann noch ein total crazy FM Klatschen, dass durch einen Bit Crusher gejagt wurde dazu und der Song vernichtet sich nach fast fünf Minuten akustischem Hochgenuss selbst.
Me, I'm Not
Dieser Song ist vermutlich das Massive Attack-eske, was NIN je gemacht haben. Die recht chilligen, fast schon HipHop ähnlichen Beats und verrückte Elektrosounds unterstützen Trents düsteren Gesang. Er klingt unglaublich gut in diesem Song. Nach einem kurzem Break, in dem uns Soundtüftler Reznor mal wieder überrascht, ertönt der Refrain. Ziemlich verstümmelte Gitarren dudeln eine wirklich merkwürdige Melodie, die auch noch von elektronischem Getute und Gehupe durchzogen ist. Man könnte meinen, dass Trent lange an diesem Song gesessen hat. Wie auf Year Zero anscheinend üblich bekommt auch Me I'm Not sein total abgefahrenes Elektro-Gefrickel-Solo kurz vor Schluss, und dieses mal ist es WIRKLICH abgefahren. Leute, die dieses Album mit Kopfhörern genießen, könnte dieser Teil verwirren oder vielleicht sogar töten. Leute, die das Solo überlebt haben, spulen gerne zurück und fragen sich: "Wie zur Hölle hat er DAS gemacht?!"
Capital G
Entschuldigt bitte ein weiteres Mal die offensichtliche Wertung aber DIESER SONG IST HALT AUCH SOOO GEIL!!! Er beginnt mit einem superduperfunky Michael-Jackson-The-Way-You-Make-Me-Feel-Gedenk-Beat, nur in verzerrt. Einsatz Trent und sein ultrageiler FM Bass (erinnert an alte C64 Spiele). Er singt schon wieder total anderst als sonst. Props an die Person, die ihm bei der Stimmbildung geholfen hat. Die Art, wie er singt, ist einfach nur BÄRENSTARK! Der sarkastisch bissige Text der Strophe führt uns in den großartigen Refrain, der allerdings mit einem noch großartigerem NIN-typisch-misshandelte-Gitarre-Post-Refrain wieder in die Strophe und seinen funky Beat leitet. OH GOTT, der Song hat einen richtig geilen Flow! Wenn der Song nach dem Gitarrensolo kurz vor Schluss richtig abgeht, nein, diesmal ohne Elektro-Orgie, dafür mit einem extrem genialen SATZ BLECHBLÄSER (!!!), und Trent auf verschiedenen Tonhöhen ... DAS IST PERFEKTION!!! DAS IST YEAR ZERO!!!
My Violent Heart
Der erste Song, der während des Alternative Reality Game ins Internet geleakt ist. Der typische Year Zero Beat (also verzerrte Elektrodrums mit zustätzlichem Elektrozeugs) eröffnet den Song und und begleitet von Trent, der prophetenhaft eher erzählt, als singt. Hooray, im zweiten Teil der Strophe singt er auch (auf verschiedenen Oktaven). Aber davon hat man nicht lange etwas, da der REFRAIN KOMMT UND HEFTIG ALARM MACHT! DÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖT!!! Nachdem der Song sich wieder in seiner Ausgangssituation wiedergefunden hat, kommt ein total schräger Rest-Song, der so klingt, als hätten Trent und Konsorten das Studio verlassen, aber die MACs angelassen, die allerdings abgekackt sind und dann beim nächsten Hochfahren diese total kaputten Zusammensetzungen gemacht haben. Beim ersten Hören sehr anstrengend, aber mittlerweile (meiner Meinung nach) eine der geilsten Elektro-Orgien von Year Zero.
The Warning
Einsatz Year Zero Beat! Dieser klingt aber C64-esker als alle anderen. Aber geil! Dazu gesellen sich nicht ganz so doll verzerrte Gitarren, die aber irgendwann so dumpf klingen, dass es auch ein Bass sein könnte. Oder es sind einfach die Gitarren mit nem Lowpass und einem ziemlich niedrigen Cutoff, aber das sind Details die eigentlich niemanden interessieren aus mich. Trent kommt auch dazu. Seine Stimme (was lyric-mäßig Sinn macht, schließlich singt Trent aus der Sicht der "Presence") ist manchmal sehr merkwürdig blubbernd verzerrt. Krasser Effekt, kannte ich noch nicht (was aber bei NIN kein Wunder ist). Der Song hat keinen wirklichen Refrain, da er eigentlich nirgendwohin geht, bis Trent beginnt mantra-ähnlich "Your time is tick-tick-ticking away" zu wiederholen und gerade wo man sich an den Song gewöhnt, ist er auch schon vorbei. Hm, die Gitarre aus dem linken Kanal schmerzt beim Hören mit Headphones ... könnte aber auch an der Lautstärke liegen, auf der ich Year Zero höre. Großartiger Song, der storytechnisch für Year Zero eine große Wendung bedeutet.
God Given
Und der nächste Track, der total funky ist! Zwar beginnt auch God Given mit einem weiteren Year Zero Beat, aber nach ein paar witzigen Soundspielereien (Nintendo Entertainment System, anyone?) gesellen sich kopfnick-einladende Drums dazu und der Track fängt an zu BOUNCEN. Karz' Bruder würde sagen "der Song hat nen Groove!", und damit hätte er Recht! Spätestens im Refrain, den Trent einleitet mit: "C'mon, sing along, everybody now" und das ist kein Scherz. El Reznors Stimme ist herrlich verzerrt, was einen krassen Gegensatz zu dem Upbeat-Rhythmus darstellt. Es folgt ein kurzer Break, in dem nur noch eine HiHat und Trents Flüstern zu hören ist. Liegt in diesen Worten der Schlüssel zu God Given? Kurz vor Schluss bekommt auch dieser Track seine Elektro-Orgie (auch wenn diese eher klein und niedlich ausfällt) und der Song lässt uns alleine mit einem ekligen 80er Jahre Synthiepad.
Meet Your Master
Okay, dieser Song beginnt ... MIT DRUMS! Diesmal aber ein recht traditionelles Schlagzeug, dass einen langsamen, aber dennoch groovigen Beat spielt. Es folgen wieder ein paar lustige NES-Sounds bevor Trent einsetzt und von einem dirty verzerrten Bass begleitet wird. Trent klingt mal wieder supergenial. Die erste Silbe jeder Zeile klingt, als wäre sie eine Oktave hoher gepitcht. Sehr interessant. Die musikalische Untermalung der Strophe wird immer komplexer, bis schließlich der ziemlich rockige Refrain einsetzt. Für NIN-Fans, die eher am rockigen Ton hängen sicher eine Erleichterung. ENDLICH RICHTIGE GITARREN! Trents Gesang hat eine fuzzige Distortion über seiner Stimme, die dadurch etwas an Kurt Cobains Gesang für Nirvana erinnert. Einsatz Bridge: zuerst nur merkwürdie elektrisch verzerrte Gitarren, die ein reines Chaos spielen. Dazu gesellen sich Streicher, die das Chaos in eine tatsächliche Harmonie umwandeln. Sehr geil! Der Song wird wieder aktiver und Trent wiederholt "Come on down", bis ein seltsamer jaulender Ton einsetzt, der Song herausfadet und übergeht in:
The Greater Good
Ah, verstehe. Der seltsam jaulend, pfeifende Ton gehört zu diesem Track. Er wird begleitet von sehr langsamen HipHop-esken Drums, und Trent, der "Breathe - us it - slowly - slowly" flüstert. Kurz wird es still. Der Beat setzt wieder ein und wird unterstützt durch einen sehr fetten Bass und durch eine ein merkwürdiges Muster spielende Marimba (!!!). Wow, was ist denn jetzt los? Der Song bekommt ein paar sehr genial klingende Soundlayer und weitere Instrumente, mit denen man in einem NIN-Song nicht gerechnet hätte, unter anderem eine HARFE (!!!). Dazu nur leises, mantra-ähnliches Flüstern von Trent. Was beim ersten Hören wie eine ziemlich planlose Soundcollage klingt, ergibt nach einer kurzen (oder längeren, je nachdem) Eingewöhnungszeit Sinn (das gilt übrigens teilweise für das gesamte Album). Großartiger Track, der eine richtig geniale Atmosphäre aufbaut.
The Great Destroyer
Whoa, wo sind die ganzen Soundlayer hin? Die hübsche Atmosphäre wird von einer thunderdome-esken Techno-Basedrum zerrissen, die einen futuristischen Beat unter eine der besten NIN-Melody-Deliveries ever made zaubern. Im Ernst: Gitarre, Bass und Trent sind NUR geil. Neben Meet Your Master die rockigste Anmutung, wenn man von den Tekknodrums absieht. Doch davon hat man nur die ersten anderthalb Minuten etwas, da während der letzten Zeile des zweiten Refrains Trents Stimme plötzlich HUNDERTFACH und auf verschiedenen Tonhöhen dem Höhrer entgegensingt. Es klingt so als würde seine Stimme durch eine KOSMISCHE ANOMALIE VERTAUSENDFACHT UND DURCH DIE GALAXIE GESCHLEUDERT WERDEN UND DANN WIEDER ZURÜCKKOMMEN um den Song in die krankeste Elektro-Orgie zu führen, die Year Zero zu bieten hat. Selbst Aphex Twin würde hierzu "Halleluja" sagen. Kein Effekt wurde ausgelassen. Interessanterweise ist ein Takt komplett außer Phase, sodass der ganze Elektrokram aus den hinteren Speakern (wenn vorhanden) tönt und von vorne nichts kommt. Wirklich garnichts? Nein, denn wenn man sein Ohr genau an den Center-Speaker hält, hört man eine merkwürdige Stimme "Red Horse Vector" sagen. Ein weiterer Clue für das Alternative Reality Game. Insgesamt sehr heftig, was Herr Reznor hier abliefert. Skinny Puppy und Aphex Twin Fans werden hieran ihren Spaß haben. Kowa auch, obwohl ich weder noch bin.
Another Version Of The Truth
Oh, Auftritt des aus dem ARG bekannten Ausdrucks "Another Version Of The Truth". Der Track beginnt genauso, wie der Year Zero Trailer. Diese hypnotisierenden Synthiesounds werden immer lauter und lauter bis plötzlich hinter dem ganzen Getröte und Gedöhnse ein fernes Piano ertönt. Der Song baut sich zu einem Climax auf, verliert sich dann kurz in Stille bis das Piano zurückkehrt. DAS ist das Reznor-typische Piano. Wir lieben es, wenn Trent so spielt, nicht wahr? Er hat auf JEDEM Album diesen bestimmten Pianosound. Wie auch hier. Die Synthiesounds kommen nochmal wieder, diesmal aber um das Piano soundtechnisch zu unterstützen. Und dann: Fadeout. Hachja...
In This Twilight
Ohne zuviel spoilern zu wollen (ja, Year Zero hat eine richtige Geschichte, die man spoilern könnte) könnte In This Twilight auch der finale Track sein. Eröffnet wird er durch merkwürdige, aber rhythmische Geräusche die später von Drums unterstützt werden. Dazu Trent, der ungewöhnlich melodiös singt und von strangen grunzenden Sounds begleitet wird. Nach einem kurzen Break beginnt der wahrhaft augenöffnende Refrain. Wow. Einfach nur wow, mehr fällt mir dazu nicht ein. Trent singt Kopfstimme, wie übrigens des Öfteren auf Year Zero, und die Melodie wirkt einfach extrem bedeutsam. Nach der zweiten Strophe (nach der ich zugegebenermaßen - vor allem wegen der Lyrics - Pipi in den Augen hatte) ein weiteres Mal dieser Bombast-Refrain, Outtro, Schluss. WAS?! SCHON? Der Song ist verdammte Axt nochmal zu kurz! DREI MINUTEN DREIUNDDREISSIG FÜR SO EIN KUNSTWERK? CURSE YOU, EL REZNOR!
Zero-Sum
Aber der Über-Track kommt ja erst jetzt. Sechs Minuten vierzehn. Schon besser. Er beginnt wieder mit einem Year Zero Beat, nur langsam. Genaugenommen ist es fast der selbe, wie in "God Given" nur langsamer und etwas andere Samples. Dass Trent keine Angst hatte, dass wir Fans seine neue Scheibe extrem genau anhören und ihm den Beat-Recycle-Mist um die Ohren kloppen. Aber andererseits ist Year Zero ein Konzeptalbum, Sample-Recycling gab es schon bei The Fragile. Oder zumindest in der The Fragile Ära. Nach ein paar Hörversuchen ist das befremdliche Beat-Deja-vu allerdings vergangen. Jetzt entfaltet Zero-Sum seine ganze Schönheit: das seichte, rastlose Piano während der Strophen, dass Trents Erzählungen (ja, er erzählt, er singt nicht wirklich) untermalt, die rauschigen Sounds, die ge-bit-crush-ten Gitarren verdichten sich zu einem Climax und führen den Hörer in den wunderschönen Refrain, der wieder mit Gesang von Trent geehrt wird. Und was für Gesang. Es klingt fast schon wie Gospel. Nach einer weiteren Strophe wieder im Erzählstil folgt der zweite Refrain, der um ein paar Ooohs und Coda Lyrics erweitert wurde. Danach fadet der Song extrem langsam aus und lässt den Hörer mit einem hohl klingenden Akkord zurück. Und das, liebe Kinder, war Year Zero.
Das Fazit
Year Zero ist unglaublich gut. Es ist viel besser als With Teeth, Broken und Pretty Hate Machine, ebenbürtig mit The Fragile (allerdings bei Weitem nicht so vielseitig) und erreicht fast sogar The Downward Spiral. Es hat das durchdachteste, kompletteste und überzeugendste Konzept, das, meines Wissens, JEMALS für ein Album erdacht wurde (da hält nichtmals "The Wall" mit, sorry Pink Floyd Fans), und das beste ist: in dem Konzept steckt noch so viel Material, dass es für einen weiteren Release reicht. DASS einer kommt wurde von Mastermind Trent Reznor schon angekündigt. WANN und WAS steht noch nicht wirklich fest. Gerüchte reden von einem weiteren Album in 2008, oder einem Film, den Reznor schon lange mal machen wollte. Egal, was da kommt, wenn es so gut wird wie Year Zero, her damit!
Musikalisch ist Year Zero im Grunde das NIN-Album, dass ich mir schon seit langer Zeit wünsche: man nehme den typischen NIN-Sound und katapultiere ihn in den nächsten Level, löse sich von musikalischen Konventionen und verschmelze diesen neuen Sound mit dem gesamten NIN-Katalog. YZ könnte das hyperaktive Bastard-Kind von Pretty Hate Machine, The Downward Spiral und The Fragile sein, ohne seinen Eltern zu ähnlich zu werden, sondern einen komplett eigenen Stil zu finden. Der Stil von Year Zero ist unter Ebenen von abgefucktem Krach und Gedöhnse wirklich schöne Melodien zu packen und alles mit einem frisch aus der Stimmbildung kommenden Trent zu krönen. Das wird nicht jedem schmecken, aber irgendwas ist ja immer.
Thematisch ist Year Zero nichts anderes als beeindruckend. Was Trent Reznor da auf die Beine gestellt hat, ist schier unglaublich. Er hat ein komplettes Universum geschaffen, aus dem er uns Geschichten mitbringt, die leider sehr nah an der Realität sind, und den Hörer deswegen zum Denken und Handeln anregen sollten. Nach dem lyrisch eher schwachen With Teeth gelingen El Rezzo auf Year Zero ein paar wirklich geniale Coups: in der ersten Hälfte der Tracks wird die Welt von YZ aus der Sichtweise verschiedener Personen erklärt. Dann in The Warning nimmt das Album seine Wende und Dinge passieren, die hätten vermieden werden können. Das ist eine wirklich packende Geschichte, die durch den ganzen Internet Kram des ARG unterstützt werden.
Year Zero ist Fiktion. Eine düstere Fiktion, von unserer Welt, wie sie in ein paar Jahren aussehen könnte. Wenn die Menschheit so weitermacht, wie bisher, könnte Year Zero allerdings Wirklichkeit werden. Viele angesprochene Dinge, wie Überwachung, Habgier, Arroganz und Ignoranz, eine unfähige Regierung und leider auch Terror und Krieg haben in der Realität Einzug erhalten. Trent Reznor prangert das alles mit Year Zero an und ruft zum Wiederstand auf. Ein tatsächliches Year Zero muss verhindert werden.
Trotzalledem danke ich Herrn Reznor für dieses Meisterwerk. Trent hat das Jahr 2007 gerettet.