schliessen
| Neuigkeiten | Content | Diskussion | Obligatorisches | System | [ ^ ] |
| Einloggen / Registrieren | Wer ist online? | neue Mitglieder | neue Forenthemen | allgemeine Suche |
 
» Diskussion » . » Kommentaruebersicht » DISKUSSIONSFORUM » (Horror)Filme » Das Parfum

Das Parfum

Gepostet am: 14 September, 2006 - 19:50 von kowa
kowas Benuterbild

Redakteur

Mitglied seit:
2005-09-15


Beiträge bisher
(Threads & Content):

21

So, also habe ich mir doch mal eine Bernd Eichinger Produktion im Kino angeschaut. Und zwar die Verfilmung des weltweit für gequälte Schülerseelen sorgenden Bestsellers "Das Parfum" von Sowieso Süsskind (ich kann mir nur den lustigen Nachnamen merken). Und was soll ich sagen, der Film war weitaus besser als erwartet (was daran liegen könnte, dass ich gänzlich ohne Erwartungen da reingegangen bin).

story:
[Zitat von irgendsoner Filmseite. Jaja ich bin faul] Im Jahr 1738 erblickt Jean-Baptiste Grenouille in Paris das Licht der Welt und wird in die Obhut eines Waisenhauses übergeben. Er kann sich nicht richtig ausdrücken, ist aber dafür mit einem extrem guten Geruchssinn gesegnet. Als er sich als junger Mann in den Duft einer schönen Mirabellen-Verkäuferin verliebt und sie ungewollt umbringt, muss er erkennen, dass Gerüche flüchtig sind. Deshalb begibt er sich zu dem Parfumeur Baldini, bei dem er die Kunst, Düfte zu konservieren, erlernen will.

optik:
Die Optik von "Das Parfum" schwankt zwischen niederträchtig ekelhaft dreckig, und betörend sinnlich und Michelangelo-Fresko-ähnlich. Die Szenarien sind meisterhaft beleuchtet. Es wird mit äußerst vielen Makroaufnahmen und Unschärfen gearbeitet. Wenn Grenouille einen Duft wahrnimmt, versucht der Film einen den Duft über extreme Close-Ups und kurz eingeblendete Impressionen näherzubringen. Es gibt bis auf eine ganz bestimmte Sequenz keine Blenden, nur Hard Cuts. Das zum Technischen.
Vom reinen Gefühl her sieht der Film einfach bombastisch aus. Der Zuschauer bekommt alleine schon von der Optik so dermaßen viele Informationen, dass man den Film förmlich riechen kann. Durch extrem plastische Beleuchtung der Motive und fast schon hyperrealistischen Wiedergabe von Texturen[*i] fühlt man den Schmutz und den Dreck, aber auch die Sinnlichkeit und Leidenschaft des Protagonisten an Düften. Optisch ist der Film wirklich allererster Güte.

akustik:
Die musikalische Untermalung ist passend zur Handlungszeit ausschließlich orchestral, fast schon eine Oper. Wiederkehrende Motive sind das Klavier und eine im Sopran (nehme ich an ^ ^) singende Frauenstimme. Im Wechsel vom zweiten zum dritten Akt quasi ereicht der Soundtrack seinen Höhepunkt und wird zum finale grosso. Leider ist der Soundtrack im ersten Drittel recht repetitiv und braucht seine Zeit um sich aufzubauen.
Die restlichen Sounds des Films unterstützen die Optik. Ähnlich wie in Final Destination (ja, ich vergleiche grade Äpfel mit Birnen, aber lasst mich ausreden ^ ^) werden in den Szenen, in denen Düfte bildlich übersetzt werden sollen, die Geräusche, die das duftende Etwas macht, sehr amplifiziert, um den Eindruck zu verstärken. Manche Szenen wirken dadurch ziemlich eklig, andere werden dadurch erst richtig sinnlich.

fazit:
Krank aber genial Emoticon: Lächeln
Der Film ist sehr ruhig, hat aber keine Längen. Er ist technisch äußerst hochwertig, und weiß auch sonst zu überzeugen. Der Regisseur hat großartige Arbeit geleistet, ich bin beeindruckt. Meine uneingeschränkte Empfehlung hat der Film.

[ > Funktionen ]
Wow, vielen Dank für deine

Gepostet am: 14 September, 2006 - 20:43 von ²sh¥
²sh¥s Benuterbild

Administrator

Mitglied seit:
2006-07-10


Beiträge bisher
(Threads & Content):

140

Wow, vielen Dank für deine aussagekräftige Kritik. Da ich deinen Filmgeschmack gut kenne und in vielen Punkten teile, werde ich mir deine Empfehlung auf jeden Fall zu Herzen nehmen. U.a. hat mich dieser Film allerdings auch schon allein deswegen interessiert, weil ich die bisherigen Tom Tykwer-Filme sehr interessant fand. Der von vielen gehasste "Lola rennt" hat mir beispielsweise sehr zugesagt. Auch "Der Krieger + die Kaiserin" sowie "Heaven" wussten mir zu gefallen.

Es gibt also nichts, was mich davon abhält, mir irgendwann "Das Parfüm" anzusehen Emoticon: zwinkern #3

[ > Funktionen ]
Der Autor hiess Patrick

Gepostet am: 15 September, 2006 - 13:23 von kamikatze
kamikatzes Benuterbild

ModeratorRedakteur

Mitglied seit:
2006-07-12


Beiträge bisher
(Threads & Content):

20

Der Autor hiess Patrick Süskind (mit einem S) und das Buch wusste mich schon zu Schultagen zu langweilen. Ich meine, wenn einem Autor der Atem ausgeht, werden seine Sätze nicht kürzer, sondern länger und dieses Buch ist voll von langen Sätzen! Ich meine, die Geschichte hat mich nicht sonderlich fasziniert, es war eher eine Schullektüre. Dennoch gedenke ich, den Film anzuschauen, denn vielleicht weiss dieser mich eher zu begeistern als das Buch. Wer weiss? Mal kuggen, ob mir der Film meine Kohlen wert ist!

[ > Funktionen ]
Ich werd mir den Film auch

Gepostet am: 15 September, 2006 - 19:47 von Tanami
Tanamis Benuterbild

Redakteur

Mitglied seit:
2006-07-24


Beiträge bisher
(Threads & Content):

8

Ich werd mir den Film auch anschauen, auch wenn ich das Buch nicht kenne. Wir hätten es zwar fast mal im Unterricht gelesen, viele haben sich aber dann doch für den Vorleser entschieden, obwohl ich im Vornhinein Das Parfüm interessanter fand, allerdings auch nur durch die Beschreibung im Klappentext.
Falls ihr Lust haben solltet den Film noch diesen Monat zu schauen, in unserer Klasse kam jemand auf die Idee, sich am letzten Schultag vor den Ferien, also den Mittwoch (27.09.)nach der Schule (ca. 16 Uhr) im Cinestar zu treffen Emoji (Europa): lachen

[ > Funktionen ]
Gute Romanverfilmung, mäßiger Tykwer-Film

Gepostet am: 1 Oktober, 2006 - 11:09 von Mighty
Mightys Benuterbild


Mitglied seit:
2006-09-16


Beiträge bisher
(Threads & Content):

30

Ich war gestern im Kino. Im Kino kam der Sound der sich meist von hinten anschlich, voll zur geltung.

Wie bei jeder Romanverfilmung ist der Film stark abgeküzt, war ja auch unvermeidbar, allerdings wird die Stelle nach Grenouilles Berg Aufenthalt sehr abrupt beendet. Der Versuch, mehr Handlung in den Film zu bringen (Das Buch spielt über Strecken in Grenouilles Kopf), wie die Irrgarten Szene sind gut gesetzt.
Schade, das man Mountplie komplett weggelassen hat, war es doch ein bedeutender Ort im Buch. Auch die Love Story zwischen Grenouille und dem Mirabellen Mädchen find ich schlecht, ist Grenouille doch nur an ihrem Geruch interessiert.
Dafür ist der Teil in Grasse sehr gut geworden.

Die Schauspieler, besonders Ben Wishaw (Grenouille) und die süße Rachel hurt-Wood, sowie die Stars Dustin Hoffman und Alan Rickman machen ihre Sache hervoragend. Es machte Spaß, die deutschen Schauspieler (die aus Mädchen, mädchen spielt das Mirabellen Mädchen) zu enddecken.

Insgesamt ist es eine gute Romanverfilmung geworden und ein mäßiger Tykwer Film.

[ > Funktionen ]
Spät, aber besser als nie:

Gepostet am: 9 November, 2006 - 18:11 von SpookyNooky
SpookyNookys Benuterbild


Mitglied seit:
2006-08-12


Beiträge bisher
(Threads & Content):

1

Spät, aber besser als nie: ich ging mit astronomischen Erwartungen in diesen Film. Ich hab das Buch sehr gemocht.

Ich stimme kowa zu: der Film ist brillant gemacht, aber ohne das Buch zu kennen, hätte ich den Film mit Sicherheit als besser befunden.So ist die Messlatte für mich automatisch an einer ganz anderen Stelle und wie schon gesagt wurde, sind richtig wichtige Szenen im Buch einfach ausgelassen worden. Die Klimax des Buches, die Stelle auf dem Berg, Grenouilles Gedankenwelten - weg. Die faszinierenste Stelle aus dem Buch mit der bewussten Ähnlichkeit zum Buch Genesis ist wegrationalisiert worden. Ich habe mich so auf (alp-)traumhafte visuelle Umsetzungen Grenouilles Gedanken und dekadenter Dufttrinkerei gefreut. Aber der Regisseur konzentrierte sich eher auf den letzten Teil: auf die Ermordung der Mädchen. Suspense-Kino, toll.

Die Orgie auf dem Richtplatz ist mir am Deutlichsten in der Erinnerung geblieben. Sehr schön umgesetzt. Würde gern ein "Making of" dazu sehen, war bestimmt lustig. Emoticon: Lächeln

Mit den ganzen Bildern in meinen Kopf, die das Buch in mir erweckt haben, habe ich viel mehr, ach was, VIEL VIEL MEHR Metaphorik in diesem Film erwartet. Aber der Film orientiert sich "nur" an der Handlung des Buchs, nicht an seinen Assoziationen oder an seiner Essenz.

Hätte gern so was Psychedelisches wie "Dune" damals von Lynch gesehen. Emoticon: lachendes Gesicht

[ > Funktionen ]
Im Gegensatz zu den meisten

Gepostet am: 13 Juli, 2007 - 23:33 von yersinia
yersinias Benuterbild


Mitglied seit:
2007-07-13


Beiträge bisher
(Threads & Content):

1

Im Gegensatz zu den meisten hier, war ich nie "gezwungen" Süskinds Roman in der Schule zu lesen. Nein, ich war neugierig und hab mir das Buch irgendwann selbst gekauft und was soll ich sagen? Ich fand es klasse. Ich fand beispeilsweise Grenouille als Charakter unheimlich faszinierend, seinen fast schon so zu nennenden Autismus, der sich in seiner olfaktorischen Begabung äußert, ihn aber darüber hinaus vollkommen taub macht für Menschlichkeit, Gefühle, Sitten und Anstand.
Und wenn ein Leser ein Buch so fesselnd und gut findet, dann ist der dazugehörige Kinofilm eigentlich schon im Vorfeld zum gnadenlosen Scheitern verurteilt, auch, wenn Tom Tykwer sicherlich das beste aus der Vorlage rausgeholt hat, hieß es doch im Vorfeld schon oft, das Buch wäre unmöglich zu verfilmen, denn wie will man Gerüche auf eine Leinwand packen?
Dies ist in hübsch anzusehenden Bildern und schönen Kulissen noch recht gut gelungen, jedoch fehlt dem Film einfach die Faszination des Buches. Ist Grenouille bei Süskind ein kleiner hässlicher Gnom mit Knollennase, pockennarbigem Gesicht, einem krummen Rücken und Klumpfuß und hat damit auf alle Menschen um ihn herum eine abstoßende Wirkung, so ist Ben Wishaw in seiner Rolle als Jean-Baptiste alles andere als hässlich, allerhöchstens unscheinbar und nicht der Schönheitsnorm entsprechend. Trotzdem spielt er seine Rolle ganz gut, auch, wenn Grenouilles abstruse Gedankenwelt in dem Film zu wenig bis gar nicht beachtet wird. Dass er zB keinen Eigengeruch hat, was erst der Auslöser für seine Mordtaten ist, wird an keiner Stelle angesprochen.
Und was mich besonders gestört hat, ist Rachel Hurd-Wood in ihrer Rolle der Laure (im Film hat sie sogar einen falschen Namen, der da lautet "Laura). Nach 10 Minuten konnte ich dieses dümmlich-süße Gesicht einfach nicht mehr ertragen. Man möge mir vergeben.
Auch die Orgie auf dem Richtplatz, die die Wende in Süskinds Roman darstellt (merkt Grenouille doch da auf schmerzhafte Art und Weise, dass die Wirkung seines Parfüms nicht diejenige ist, die er sich erhofft hatte) fand ich nicht sonderlich gut umgesetzt sondern schlicht und ergreifend einfach nur peinlich. Sie hatte nichts von der im Kern doch recht derben sexuellen Orgie des Buches.
Für ein so schwieriges Thema hat Tykwer seine Sache aber dann doch recht anschaulich gemacht. Der Film ist sehenswert, es ist nur vernichtend, wenn man vorher das Buch gelesen hat und dieses mochte. Aber so ist das ja immer Emoji (Europa): lachen

[ > Funktionen ]

[ ^ ]