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Last Life in the Universe

Gepostet am: 13 Juli, 2007 - 13:38 von kamikatze
kamikatzes Benuterbild

ModeratorRedakteur

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Last Life in the Universe
Originaltitel: Ruang rak noi nid mahasan (Übersetzt: Eine Liebesgeschichte mehr oder weniger)

Es gibt nicht viele Menschen, die Ruhe und Langeweile auseinanderhalten können. Wer dies jedoch aber zu differenzieren weiss und dazu noch ein Fan von asiatischem Kino ist, der sollte sich diesen Film anschauen, sofern er ihn nicht schon gesehen hat.

Kurz zur Story:

Kenji (gespielt von Tadanobu Asano) ist ein sehr unglücklicher und einsamer Mensch. Er wohnt seit geraumer Zeit in Bangkok, Thailand, und arbeitet als Bibliothekar in einer dort angesiedelten japanischen Bibliothek. Er spricht kaum ein Wort Thai, und auch sonst ist er eher ein stilles Wasser wenn es um Kommunikation geht. Sein ganzes Leben besteht aus einer zwanghaften Ordnung, und sobald irgendwo in seiner Umgebung ein Fussel auftaucht, der dort nicht hingehört, wird er penibelst genau weggemacht. In seinem Schrank hat er massenweise die selben Hemden, Hosen, Socken und Schuhe, seine ganze Wohnung erinnert eher an eine sterile Ausstellung auf einer Museumsbesichtigung, als an einen Ort, wo jemand lebt. Trotzdem alles in seinem Leben auf den ersten Blick in Ordnung scheint, ist Kenji so unglücklich, dass er beschliesst, sich das Leben zu nehmen. Durch eine chaotische Verkettung diverser Umstände jedoch, gelingt ihm dieses Vorhaben nie, und eines Tages lernt er durch einen weiteren tragischen Zwischenfall SIE (gespielt von Sinitta Boonyasak) kennen. SIE ist sein thailändisches, chaotisches, kettenrauchendes Gegenstück, und sie beweist mit allen Mitteln, dass sie keinen Wert auf persönliche Ordnung legt. Schimmliges Geschirr stapelt sich bis fast unter die Decke, man muss Bergsteigen können, um sich den Weg von Wohnzimmertür bis zum Sofa zu bahnen und da es kein sauberes Geschirr mehr gibt, ernährt sie sich seit geraumer Zeit nur noch von Instantzeug. Kenji und Noi, so ihr Name, verbringen nur wenige Tage zusammen, und auf ihre eigene, gegensätzliche Art und Weise lernen sie, sich zu mögen. Es wird erzählt über eine Bekanntschaft, in der die Vergangenheit des Einzelnen keine Rolle spielt, in der das Schweigen mehr dominiert, als das gesprochene Wort, und in der die Kommunikationsbarrieren das Zusammensein immer faszinierender machen, denn Kenji spricht kaum Thai und Noi kaum Japanisch. Beide versuchen sich in noch schlechterem Englisch und nicht zuletzt wird die Sprache in dem Film gänzlich zweitrangig.

Dieser Film erinnert stellenweise sehr an Takeshi Kitanos "Dolls", was seine unbeschreibliche Ruhe betrifft, jedoch ist er ein eigenes, kleines, unbekanntes Meisterwerk, das den Zuschauer voll und ganz in einen Strudel von Emotionen reisst, der noch sehr lange nachklingt.
An der Kamera hat Christopher Doyle, ein wahrer Künstler, wirklich grosses geleistet und er bietet dem Zuschauer Bilder, die einem noch lange im Kopf bleiben werden. Von der wunderschönen Landschaft Thailands bis zu kurzen Momentaufnahmen eines völligen Stillebens. Untermalt werden diese Bilder mit dem fantastischen Soundtrack, komponiert von Hualampong Riddim, der von Regisseur Pen-Ek Ratanaruang den Auftrag bekommen hatte, einen musikalischen Score für diesen Film zu machen, von dem der Zuschauer nicht merkt, wann er anfängt, oder wann er aufhört.

Hualampongs Musik unterstreicht dieses kalte Gefühl von Leere und Einsamkeit, welche Kenji empfindet, und man selbst wird gerade durch diesen Soundtrack selbst in eine alles verschlingende Isolation katapultiert. Die Welt färbt sich in eine geräuschlose, steril-blaue Kulisse, die an dir vorbeirauscht und keine Notiz von dir nimmt. Die Musik ist erdrückend, belastend, liegt schwer auf deiner Seele und macht dich zum einsamsten Menschen auf der Welt, in dem kein Gefühl mehr Platz hat, ausser diese steril-blaue Leere, die in unendlich langsamer Zeitraffer dein Innerstes mit ebenso steril-blauer Kälte erfüllt.

Noch was in eigener Sache:

Die Sache mit der "Liebesgeschichte" wird leider sehr schnell falsch verstanden und in die Akte "Kitsch" abgelegt. So ist das defintitiv NICHT! Ihr werdet in dem Film keine gebräuchlichen Szenen vorfinden, die auch nur irgendwie andeuten würden, dass es sich um eine Liebesgeschichte handelt. Es ist dem Zuschauer überlassen, ob er das nun denkt, oder nicht. Deshalb ist der thailändische Originaltitel für den Film so passend "Eine Liebesgeschichte MEHR ODER WENIGER)...

Ich kann euch diesen Film nur wärmstens ans Herz legen, denn er hat es geschafft, alle meine bisherigen Lieblingsfilme sofort in den Schatten zu stellen und noch über den ersten Platz hinaus zu schiessen. Einen so wunderschönen und doch menschlich-realistischen Film gibt es nicht nochmal. Er ist nicht perfekt, aber er ist perfekt in seiner Imperfektion! Und genau das ist die grosse Kunst an Last Life in the Universe. Ich liebe diesen Film, ich liebe ihn so sehr, dass er mich jedesmal zum weinen bringt, und ich nichtmal weiss, warum.

Emoticon: Lächeln

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erfrischend menschlich

Gepostet am: 13 Juli, 2007 - 22:19 von yersinia
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2007-07-13


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Last Life In The Universe ist ohne Zweifel ein Film, den man gesehen haben sollte, wenn man asiatisches Kino mag, und dessen oftmals sehr ruhige, atmosphärische Darstellung des Geschehens.
Auf die Handlung muss ich nicht mehr eingehen, die hat Monty oben schon gut wiedergegeben, wohl aber mein persönliches Fazit sollte hier stehen:

Atmosphärisch, bedrückend aber wunderschön wären die drei Attribube, die für mich den Eindruck des Films am besten beschreiben würden.
Optisch auf den ersten Blick absolut perfekt in Szene gesetzt kommt LLITU daher. Die Bilder sind keine bombastischen, farbenprächtigen Aufnahmen, aber dennoch virtuos aufgenommen so dass jedes einzelne Bild eigentlich aussieht, wie ein Kunstfoto. Hier hat Kameramann Christopher Doyle wirklich meisterlich gearbeitet.
Ich persönlich mag die Art, wie der hier gänzlich unbekannte und meiner Meinung nach fast schon genial zu nennende Regisseur Pen-Ek Ratanaruang eine Geschichte erzählt und Charaktere darzustellen weiss. Ich habe selten einen Film gesehen, in dem die agierenden Personen so menschlich und sympatisch daherkamen wie hier. Kein einziges Mal wirkt die Geschichte abgehoben, im Gegenteil. Zeitweise denkt man sich, sowas könne eigentlich jedem passieren und jeder wird gewisse Verhaltensweisen der Protagonisten bei sich wiederfinden können. Damit dieser Eindruck aber bestmöglich beim Zuschauer ankommt, empfehle ich dringend, den Film in der Originalsprache/den Originalsprachen zu schauen!
Last Life ist ein Film, den man sich mehrmals anschauen kann und auch muss und ich kann versichern, er wird bei jedem Mal anschauen schöner. Die Geschichte an sich bietet zum Schluss mehrere Interpretationsansätze und die "Auflösung" ist eigentlich gar keine, sondern treibt den Zuschauer nur zu neuen Spekulationen an.

Fazit: Ein rundum stimmiger Film, der, wenn man ein Gespür hat für Filme in denen man "zwischen den Zeilen 'sehen'" muss, seinen Zuschauer nicht mehr loslassen wird. Erfrischend menschlich und dennoch auf eine subtile Art und Weise sehr bedrückend. Ansehen!

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Bonjour, le community de

Gepostet am: 17 Juli, 2007 - 20:31 von kowa
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21

Bonjour, le community de frighteninque!
Auf DRINGENDES Anraten von Frau Monterson habe ich mir auch "Last Life In The Universe" zu Gemüte geführt. Ihr Anraten war sogar SO DRINGEND, dass ich mir den Film gleich gekauft hab, der übrigens in einem wunderschön designten Digipack incl. Poster und zwei EXTREM (!!!) hochwertig bedruckte DVDs daherkommt (sorry, kleine Mediengestalter-Macke).

Aber is ja auch egal, kommen wir zum Film:
Ich bin mir nicht sicher warum, aber ich empfinde LLITU als asiatische Variante von "Die fabelhafte Welt der Amelie", obwohl er nichts, aber auch NICHTS damit zu tun hat. Der Film ist ein 112 Minuten andauernder Glückskeks. Trotz des im Grunde recht bedrückenden Tonus ist der Film doch sehr lebensbejahend und lässt den Zuschauer (oder zumindest mich) mit einem guten Gefühl zurück.

Woran liegt das? Liegt das an dem großartigen Soundtrack, der sphärische Klänge mit verträumten Melodien vermischt? Liegt es an dem genialen Hauptdarsteller, der seinem dauerdeprimierten Charakter, trotz seines schelmischen Grinsens, unheimliche Tiefe verpasst? Liegt es an dem Archeplot, nach dem beide Protagonisten eine Wandlung, oder vielmehr eine 180 Grad Drehung, durchgemacht haben? Liegt es an der absolut niedlichen Situationskomik, die fast ausschließlich aus der Sprachbarriere beider Protagonisten entsteht (LLITU UNBEDINGT im Original kucken! Die deutsche Tonspur ist reine Platzverschwendung auf der DVD!)?

Ich kann es nicht genau sagen. Was ich jedoch genau sagen kann, ist eine uneingeschränke Empfehlung für LLITU. Dieser feine, kleine Ableger des asiatischen Kinos schleicht sich ganz unbemerkt in die Herzen der Zuschauer. Zumindest war es bei mir so: in der Herzkammer, wo zuvor Dolls trohnte, wohnt jetzt Last Life In The Universe.

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