From Dusk Till Dawn
Unerfreulicherweise sind Spieleumsetzungen von Filmen in der Regel mehr schlecht als recht. Gerade wenn es sich um Kultfilme handelt, resultiert die spielbare Version oft in eine Enttäuschung. Erwartungsgemäß ist dies bei „From Dusk Till Dawn“ nicht anders. Dennoch könnte das Spiel für Action-Puristen und richtig große Fans der Filme durchaus interessant sein.
Die Designer des Spiels haben sich bei der Planung eine wichtige Frage gestellt: Soll das Szenario des Filmes 1:1 übernommen werden, oder die Essenz in ein neues übernommen werden? Die Entscheidung fiel gegen eine bloße Nacherzählung und somit wurde der Hauptcharakter Seth Gecko mitsamt den Vampiren auf einen Tanker verfrachtet, der als schwimmendes Gefängnis samt Todeszelle umfunktioniert wurde. Vom der aus dem Film bekannten Bar „Titty Twister“ ist nur ein kleiner Nachbau zu sehen, der nur an einer kleinen Stelle des Spiels auftaucht und als Hommage an den Film gedacht ist.
Der Settingswechsel sollte sich als eine gute Entscheidung heraustellen, da das atmosphärische Kernelement letztendlich geblieben ist: Der Protagonist ist mitsamt den Vampiren auf einem großen Raum eingeschlossen, aus dem nicht ohne weiteres geflüchtet werden kann. Zwangsläufig führt dies zur Konfrontation, was dem actionlastigen Gameplay mit leichten Horroranleihen zugute kommt.
Vampire auf hoher See
Seth wacht später in der Kapelle wieder auf, wo der Gefängnispfarrer ihm das satanische Blut aus dem Körper weiht. Der Heilige schildert die Situation: Das Schiff wurde vollständig von Vampiren besetzt und steuert New Orleans an. Da Seth jedoch bereits über reichlich Erfahrung mit Vampiren verfügt, bittet der Pfarrer ihn, die Sache in die Hand zu nehmen.
Während Seth die Räumlichkeiten des Schiffes von der Vampirplage befreit, muss er sich auch den Weg durch dieses suchen. Für den Spieler bedeutet dies die Bewältigung kleinerer Aufgaben, die obligatorisch für das Genre des Action-Adventures sind. Schalten müssen also aktiviert und Schlüssel gefunden und eingesetzt werden. Allerdings hält sich dieser Part trotz genügend Gelegenheit zur Erforschung der Räume und Gänge in Grenzen. Rätsel gibt es nicht zu lösen. Da das Shooter-Prinzip zwar nicht originell ist, aber in diesem Fall aufgrund des flotten Gameplays und gegebener Abwechslung ganz gut funktioniert, vermisst man Denkeinlagen nur im geringen Maße.
Scheuklappen
Leider wurden die inhaltlichen Aspekte des Spiels sehr vernachlässigt. Ist die Grundsituation durchaus zu Nervenkitzel fähig, beschränkt sich der Plot jedoch fast ausschließlich darauf, Seth direkt zum Anführer der Vampire zu lenken. Dramaturgisch gibt es nur eine einfache Klimax, die beim Showdown endet, zwischendrin so gut wie keine interessanten Handlungsstränge bietet. Die Charaktere sind einschließlich des Protagonisten erschreckend blass und das Skript für die Dialoge ist selbst für ein Videospiel über weite Strecken schlicht inakzeptabel. Die mehr oder weniger daraus hervorgehende Schlichtheit der Handlung mag angesichts des ebenfalls recht schlichten Gameplays gut zu Gesicht stehen, jedoch vermisst man dadurch die besonderen Nuancen, die immerhin in der Filmvorlage vorhanden waren. Dort war die Handlung ebenfalls mehr als trivial und absurd, jedoch waren die Charaktere, der schwarze Humor und einige popkulturelle Anspielungen bemerkenswert. Aus dem Film geblieben sind letztendlich nur der Hauptcharakter, seine Gegner und der hohe Blutgehalt. Erwartungsgemäß schafft das Spiel nur an sehr wenigen Stellen das Gefühl von Spannung oder Grusel aufkommen zu lassen. Dramaturgische Elemente, die angesichts der Filmvorlage aber auch nicht unbedingt zu erwarten waren.
nicht Blutarm, aber Polygonarm
Technisch leidet das Spiel unter zahlreichen Ungereihmtheiten, die sich teilweise auch in Bugs bemerkbar machen, die den Spieler manchmal dazu veranlassen, den aktuellen Abschnitt wiederholen zu müssen. Die Optik wirkt selbst am Releasezeitpunkt gemessen relativ veraltet, woran vor allem die recht detailarmen Figuren inklusive ihrer holzernen Animationen einen erheblichen Teil zu Beitragen. Die Umgebungsgrafiken sind zwar aufgrund der gelungenen Ausleuchtung ansehnlicher als Mensch und Vampir, können aber nur stellenweise mit einer detailreichen Gestaltung überzeugen. Im allgemeinen herrscht eine gewisse Polygonarmut. Erstaunlich ist, dass das Spiel trotz seiner Monothematik genügend Abwechslung bezüglich der Umgebungen bietet – auch wenn man sich manchmal fragt, was beispielsweise ein Einkaufszentrum, ein Kino oder eine Spielhalle auf einen Gefängnisschiff zu suchen haben. Andere Sektionen, wie etwa die Krankenstation oder der Maschinenraum, versprühen durchaus atmosphärisches Gruselflair – zumindest, wenn man sie für sich betrachtet.
Das Spiel verwendet im Prinzip weite Teile des Filmsoundtracks und kann zudem mit passenden Umgebungsgeräuschen punkten. Akustisch hinterlässt das Spiel einen besseren Eindruck als visuell, auch wenn die One-Liner von Seth, die er während der Kämpfe manchmal von sich gibt, irgendwann an Reiz verlieren oder mitunter gar nervig werden können.
Nicht genutztes Potential
Wie ist „From Dusk Till Dawn“ also zu beurteilen? Als Umsetzung des Filmmaterials sicherlich nicht als komplett gelungen, da viele ausschlagebende Elemente aus der Vorlage fehlen. Immerhin ist der Ortswechsel lobenswert, wodurch das Spiel als weiterführende Handlung zum Film gesehen werden kann, ohne das Original jedoch großartig zu belasten. Fest steht auch: Niemand kann behaupten, dass die Handlung des Films für das Gameplay mehr hergeben würde, als die Entwickler letztendlich gemacht haben. Insofern ist die Entscheidung, ein fast reinrassiges Actionspiel mit leichten Actionadventure-Einlagen zu kreiieren, die Beste gewesen.
Als Spiel gewertet ist „From Dusk Till Dawn“ letztendlich höchst mittelmäßig und hauptsächlich für diejenigen Spieler interessant, die möglichst unkompliziert Vampire über den Jordan ballern möchten. Der enorme Blutgehalt ist dabei erhalten geblieben. Wer also den hohen Splatteranteil des Filmes (oder den Sequels) mochte, könnte – bei Inkaufname der besagten Schwächen – durchaus Spaß an dem Spiel finden. Für Freunde anspruchsvoller Horrorunterhaltung ist „From Dusk Til Dawn“ aber letzten Endes ein höchst uninteressantes Spiel.













