Das Sequelprinzip: CAPCOM, das Hollywood der Spieleschmiede, inzeniert die Fortsetzung zu “Dino Crisis” so, wie man es von erfolgreichen Masseproduktionen im Kino erwarten würde: Alles ist grösser, schneller, besser. Es gibt also bessere Präsentation, ein actionreicheres Gameplay und wesentlich mehr Dinosaurier. Schade eigentlich.

Die Story knüpft an den ersten Teil an: Zwar ist der Bösewicht Dr.Kirk von der Bildfläche verschwunden, doch die Experimente mit der gefährlichen “Dritten Energie” wurden dennoch fortgesetzt. Es kommt wie es kommen muss: Bei einem Unfall während der Experimente verschwindet eine ganze Stadt und stattdessen sind dort ein dichter Urwald und eine Menge Dinosaurier zu finden. Es wird ein Rettungsteam losgeschickt, worunter auch Dylan und Regina sind, um genaueres über den Vorfall in Erfahrung zu bringen. Dummerweise wird deren Lager wenige Zeit nach ihrer Ankunft von hungrigen Dinos angegriffen. Auf der Flucht vor einem T-Rex fallen Dylan und Regina einen Abhang hinunter und müssen sich nun an durch den Dschungel kämpfen, um nicht als leckeres Menschen-Steak zu enden.

Gameplay und Story in der Schmalspurversion

Im wesentlichen war dies der Kern der Geschichte, denn viel mehr gibt es im Laufe des Spielverlaufes tatsächlich nicht zu erzählen. Durch verschiedene Dokumente erfahren wir als Spieler alias Dylan ein wenig mehr über die vergangenen Ereignisse und ab und zu treffen wir eine andere Person (wie z.B. Regina), aber im Grunde genommen erzählen die (sehr schön gemachten) Zwischensequenzen nur den weiteren Verlauf eines Überlebenskampfes gegen die Fleischfresser. Eine Actionsequenz hier, eine Ballerei da. Ein wirklicher Twist im Plot kommt erst gegen Ende hinzu, ansonsten ist die Story etwas zu platt geraten.

Wenn schon die Hintergrundgeschichte nicht wirklich motivieren kann, dann sollte es wenigstens das Spiel selbst tun, aber auch hier wird man etwas enttäuscht: Das Gameplay würde nahezu vollständig auf Non-Stop-Action getrimmt, wobei der Rätselpart so stark minimiert wurde, dass er seine Bezeichnung gar nicht verdient. Man hat reichlich Munition und ziemlich dicke Wummen in der Tasche (wie z.B. Schrotflinte oder Raketenwerfer). Jeder abgeschossene Dino gibt je nach Grössenordnung Punkte, für die man sich noch stärkere Waffen und noch mehr Munition an Terminals nachkaufen kann. Bereits abgeschossene Gegner tauchen immer wieder auf, so dass man recht schnell die Möglichkeit hat sich neu aufzurüsten. Zwar macht die Instantballerei und das ausprobieren wuchtiger Waffen eine Menge Spass, auf irgendeine Art spannend ist dies bei weitem nicht. Nach dem x-ten Abschuss geht dem Konsens des Gameplays auch die Puste aus und dummerweise ist der Spass für fortgeschritte Spieler bereits nach etwa 5 Stunden Spielzeit schon vorbei. Eindeutig zu kurz! Zum Glück wechseln während des Spieles angenehm oft die Gegnertypen und auch die Locations. Zudem übernehmen wir zwischendurch kurzzeitig Regina, immerhin.

Schmalspurig, aber schön

Die audiovisuelle Präsentation ist für Playstation-Verhältnisse allererste Sahne. Die Animationen der Figuren sind butterweich, die vorgerenderten Hintergründe wahnsinnig detailliert und der Bildwechsel ist einigermaßen flott. Nette Effekte wir ein Motion Blur-Filter unter Wasser sind schön anzusehen und peppeln die Optik deutlich auf. Auch der Sound kann sich hören lassen: Die Dinoschreie und die Waffen klingen sehr überzeugend, ebenso wie die Hintergrundgeräusche. Musik gibt es nur an Schlüsselstellen im Spiel, ist aber dann auch recht ordentlich. Die Mischung aus drei Zeiten, der modernen Welt (Waffen, Fahrzeuge, ect.), ein wenig Sci-Fi und Prähistorik (Dinosaurier), wurde sehr schön umgesetzt und wirkt im Spiel wie aus einem Guß. Die Designer haben sich an dieser Stelle viel Mühe gegeben.
Die Steuerung ist astrein und geht innerhalb weniger Minuten in Fleisch und Blut über. Auch das Inventar lässt sich recht einfach bedienen und sollte auch Anfängern keine Probleme bereiten.

Die PC-Umsetzung, die 2 ½ Jahre später erschienen ist, ist übrigens einer der lieblosensten Konvertierungen, die es jemals gab. Was sich CAPCOM dabei gedacht hat, wird mir nicht so ganz klar: Die Optik wurde 1:1 übernommen und nicht aufgewertet … Auf dem PC herrschen durch die Verwendung von Monitoren mit hohen Auflösungen und schnelleren 3D-Grafikkarten andere Verhältnisse; gerade dann, wenn das Spiel schon so lange Zeit auf einer alten Konsole auf den Buckel hat. Inhaltlich ist das Spiel mit der PSX-Version gleich.

Dino Crisis 2
Die Fortsetzung setzt komplett auf Action und verzichtet ganz bewusst auf Horror. Das ist durchaus unterhaltsam, aber es gibt keine gute Geschichte, die der Ballerei wenigstens einen halbwegs sinnvollen Kontext gegeben hätte.
audiovisuelle Präsentation8
Realisierung der Spielmechanik6
inhaltliche Gestaltung und dramaturgische Aufbereitung5
6.3Gesamtwertung
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