Die „Evil Dead“-Filme sind Kult. Echte Horrorfilmfans dürfen sich selbst erst als solche zu erkennen geben, wenn sie die geniale Triologie von Sam Raimi gesehen haben. Mit krassen Kamerafahrten, düsteren Kulissen, viel Blut, etwas Humor und vor allen Dingen dem raubeinigen Bruce Campell schuf er Filmklassiker, die die ihresgleichen suchen. Doch lange mussten die Fans warten, bis etwas neues aus dem „Evil Dead“-Universum kam und viele Jahre nach dem letzten Film erscheint dieses Spiel.

Die Geschichte reiht sich chronologisch nach den Filmen ein: Ash, der in der Vergangenheit gegen böse Dämonen gekämpft hat, ist bis heute von schlechten Träumen heimgesucht worden. Um gegen sie anzukämpfen, schlägt seine Freundin ihm vor, sich an den Ort zurück zu begeben, an dem die schlimmen Ereignisse ihren Ursprung genommen haben. Gesagt, getan: Ash fährt zum Wochenende zurück zu dem verlassenen Waldhaus, in und an dem alles begann. Und als hätte das Böse bereits auf ihn gewartet, kriecht es kurz nach seiner Ankunft wieder aus den dunkelsten Winkel des Waldes und macht sich über ihn und seine Freundin her. Als Ash wieder aufwacht, ist seine Freundin verschwunden. Entschlossen, sie aus den Klauen der Dämonen zu retten, holt er die alte Kettensäge wieder aus dem Geräteschuppen und macht sich auf die Suche …

Der mit dem Technik-Teufel tanzt

An dieser Stelle steigen wir in das Spiel ein. „Resident Evil“-Veteranen werden sich sofort zurechtfinden, denn das Inventar und die Steuerung sind nahezu gleich. Auch hier werden Gegenstände, die nicht mehr ins Inventar passen, in einer Kiste gelagert, die an verschiedene Stellen im Spiel verfügbar ist. Unterschiede machen sich erst im Detail bemerkbar: Der Umfang an Gepäck, den Ash tragen kann, ist sehr begrenzt, so dass man noch viel öfter als beim großen Vorbild zur Kiste rennen muss, was nach einer Zeit sehr lästig wirkt. Die Steuerung der Figur ist auch nicht optimal gelöst, da sie verzögert auf Eingaben reagiert. Die Möglichkeit, mit der Figur nach links und rechts zu „strafen“, klingt in der Theorie zwar interessant, ist aber im Spielgeschehen nicht besonders hilfreich.

Gewöhnungsbedürftiger ist das schon die nicht zeitgemäße Präsentation. Obwohl die Hintergründe mit gerenderten Videos dargestellt werden, die durch die Animation Bewegung in das Bild bringt (etwa im Wind bewegende Bäume oder wabernder Nebel), ist sie leider zu grob aufgelöst, um kleinere Details in der Grafik darstellen zu können. Sie gehen im Pixelbrei gnadenlos unter. Die Polygonfiguren selbst wirken etwas Detailarm und sind nicht immer besonders gut animiert. Trotzdem kommt eine schöne B-Movie-Atmosphäre auf, was nicht zuletzt an dem guten Sound liegt. Die Musikuntermalung ist zwar sparsam, aber dafür sehr stimmig und die Soundeffekte sind zwar ebenso nicht besonders zahlreich, aber umso effizienter eingesetzt.

Kettensägenmassakker in der Kurzfassung

Das Gameplay selbst ist klassisch. Benutze Schlüssel A mit Tür B, kämpfe gegen Monster, löse Rätsel mit Gegenstand X und Y, kämpfe anschließend gegen Endgegner. An den Rätseln zerbricht man sich nicht den Kopf, aber sie sind auch nicht zu leicht. Die Gegner sind mit ein wenig Beobachtung und Fingerübung zu bewältigen, also kein zu unüberwindbares Hindernis. Insgesamt spielt sich „Evil Dead“ ganz ordentlich. Nervig ist nur, das an manchen Stellen des Spiels getötete Gegner fortlaufend wiederkommen, so dass Flucht die beste Lösung zu sein scheint. Auch die Kollisionsabfrage wirkt ungenau, Treffer scheinen manchmal einfach nur Glückssache zu sein.

Fans der Filme oder freakige Survival-Horror-Zocker können sich mit der staubigen Präsentation anfreunden, aber nicht mit der Spielzeit: Der Umfang des Spiels liegt bei etwa vier bis fünf Stunden, ich selbst habe gerade mal dreieinhalb Stunden gebraucht, was für ein Vollpreisspiel auf alle Fälle viel zu wenig ist. Sicher, man kann selbstverständlich noch mal von vorne anfangen, aber im Gegensatz zu den Genre-Konkurrenten bietet „Evil Dead“ keine Bonus-Geheimnisse, die sich nach dem erstmaligen Durchspielen freischalten.

Die Voraussetzungen für ein Survival-Horror-Game sind perfekt: Wir haben einen gut bewaffneten Actionhelden, `ne Menge fieser Kreaturen, eine stimmige Atmosphäre und ein wenig Humor, ganz nach den Filmvorlagen. Aber die Rechnung geht auf Grund der miesen technischen Umsetzung leider nicht auf. Die Versoftung der Kultfilme wirkt eher schlecht als recht und ich würde es nur den ganz, ganz harten „Evil Dead“-Fans empfehlen.

Evil Dead - Hail to the King
Misslungene Umsetzung der Kultfilmreihe, die unter steifen, einfallslosem Gameplay krankt. Der Wiedererkennungswert der Kulissen ist für Fans sicher trotzdem ganz nett.
audiovisuelle Präsentation5
Realisierung der Spielmechanik4
inhaltliche Gestaltung und dramaturgische Aufbereitung5.5
4.8Gesamtwertung
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