Einen schmackhaften Cocktail zu mixen ist mit manchen Zutaten gar nicht so leicht. Mal wird er zu süss, mal wird er zu sauer, erst der Mittelweg mit dem gewissen Pep verspricht Genuss. Einen Cocktail hat auch Sony mit dem Spiel “Extermination” zubereitet, der versucht Elemente aus “Tomb Raider”, “Syphon Filter” und dem Survival-Horror-Genre unter einem Hut zu bringen …

Eine Special-Forces Aufklärungseinheit der Marines wird nach Ford Steward – einem streng geheimen Regierungs-Stützpunkt – in die Antarktis versand, um einem Notruf nachzugehen, der von den Forschern dort gefunkt wurde. Das war das letzte Lebenszeichen der Forschungsbasis, denn seither ist der Funkkontakt abgebrochen. Bevor die Truppe jedoch ihr Zeil erreicht, explodiert eine Turbine am Flugzeug und stürzt ab. Mit Fallschirmen retten sich die Männer, sind aber von nun an getrennt. Schlimmer ist jedoch, dass die Marines bald feststellen müssen, dass sich in der Basis immer mehr und mehr eine ausserirdische Seuche ausbreitet, die Mutationen hervorruft und aus Menschen Monster macht. Für den Hauptcharakter des Spieles, Dennis Riley, deren Rolle ihr als Spieler übernehmt, gibt es aber noch ein weiteres, persönliches Problem: Er trifft auf eine Überlebende aus dem Forscherteam und wird so mit seiner Vergangenheit konfrontiert.

Wie man eine Story mit Klischeès uninteressant macht

Die Geschichte von “Extermination” ist ein ziemlich wilder Mix aus verschiedenen Storys bekannter Filme und Spiele, daher wirkt der Handlungsverlauf ziemlich aufgesetzt und ideenlos. Dazu kann das Spiel sich vor Klischees kaum retten: Wir haben einen Helden, der einen guten Freund im Kampf verloren hat und in Ford Steward deren ehemalige Geliebte (zu der er sich hingezogen fühlt) wiedertrifft. Gleichzeitig entsprechen die Marines den bekannten Charaktaristika: Der Mayor ist selbstverständlich ein etwas älterer, aber strammer Bursche, dem alle wie dumme Hunde gehorchen. Es gibt den Kumpel von Riley, der selbstverständlich ins Grass beisst und den in amerikanischen Filmen konvetionierten Quoten-Schwarzen, der im hip-hop-schlang Machosprüche von sich gibt und sich trotz übler Verletzungen nicht unterkriegen lässt. Das ganze geht dann weiter mit dem militärischen Unterton, der im ganzen Spiel aufrechterhalten wird, patriotischem Helden-Bla-Bla, verrückten Wissenschaftlern, bis hin zu Regierungsverschwörungen und der Alien-Seuche, die fröhlich vor sich hinmutiert und sichtbar an Wänden klebt. Kennen wir alles irgendwie und haut auch bei der eher Hollywood-artigen Inzenierung nicht wirklich von Hocker. Irgendwann wird es euch als Spieler ohnehin egal sein, ob die Story ein Happy-End bekommt oder nicht.

Also kommen wir zum Spiel selbst. Prinzipiell haben wir es auch hier dem grundsätzlichen Survival Horror-Gameplay zu tun: Wir erforschen die verseuchte Basis und erschiessen dabei ekliges Alien-Getier in allen Variationen, während ID-Karten für Sicherheitsschlösser gesucht und gefunden werden müssen, um in neue Bereiche vorzudringen. Die Kreaturen sind ganz nett gestaltet und reichen von einfachen, kleinen Parasiten, die so aussehen wie Kaulquappen und an den Wänden entlangkriechen, bis hin zu wahnsinnig grossen Ungetümen, die man am ehesten als eine organische Müllhalde bezeichnen kann. Zwischendurch gibt es auch Monster in Menschengröße, die ein wenig an den Nemesis aus “Resident Evil” erinnern und auch hundeartiges Getier. Besonders taktisch gehen die Gegner im Kampf eigentlich nicht vor, trotzdem sind sie nicht zu unterschätzen, da sie schon ziemlich viel Blei vertragen können und bevorzugt in Rudeln auftauchen.
Um die Spielverlauf ein wenig knackiger zu gestalten, hatten die Entwicker den guten Einfall, den Spieler selbst auch der Gefahr einer Vergiftung auszusetzten. Wird man zu oft von etwas gebissen oder kriegt zuviel von den Aliengasen (in Form von wolken-artigen Geschossen) ab, setzt sich ein glühendes, pulsierendes Getier auf Riley`s Rücken und zieht ihm kontinuierlich Lebensenergie ab, bis er letzendlich mutiert. Aufgehalten kann die entgültige Mutation nur durch eine spezielle Behandlung an beschtimmten Artzneigeräten, die spärlich verteilt sind. Eine Statusanzeige informiert prozentual über den aktuellen Infektionsgrad.

Schmeckt gut im Cocktail: Die Steuerung

Ebenfalls interessant sind die körperlichen Fahigkeiten von Riley und die damit verbundene Steuerung. Im Gegensatz zu anderen Genre-Kollegen kann der Marine springen, an der Wand entlang vorantasten, sich irgendwo dranhangeln, schräge Abhänge runterrutschen, ect. Die körperlichen Aktionen sind vielfältig, sind aber durch eine zugegebenermaßen kleine Mogelei der Programmierer sehr einfach zu handhaben: Unsere Spielfigur entscheidet selbst, welche Aktion durchgeführt werden muss, während wir eigentlich nur die Aktionstaste dazu drücken müssen. Sprinten wir z.B. auf einen Abgrund zu und drücken im richtigen Augenblick die Aktionstaste, macht Riley einen Sprung. Nichtsdestotrotz macht das eine Menge Spass und bringt ein wenig mehr Action und Dynamik ins Spiel.
Sehr gelungen ist auch die Umsetzung der stetig aufrüst- und umbaubaren Waffe im Spiel: Riley hat von Beginn an eine Schnellfeuerwaffe bei sich, die er mit allerhand Schickschnack aufrüsten kann, was nicht unbedingt realitätsgetreu ist. Aber egal, so haben wir die Möglichkeit einen Flammenwerfer unter das Maschienengewehr zu klemmen oder das ganze Ding gleich zu einem wuchtigen Raketenwerfer zusammen zubasteln. Auch unterschiedliche Zielfernrohle, Schussmodi und Radare sind möglich; die gesamte Technik-Spielerei an der Waffe ist, wie übrigens das gesamte Inventar, sehr einfach und übersichtlich gehalten und es macht immer wieder Laune, ein neues Zusatzteil auszuprobieren.

Die Technik-Zutat: Fad bis zartbitter

Steuerungstechnisch und von Gameplay her macht der “Extermination”-Cocktail schonmal einen guten Geschmack her, die Technik allerdings ist fast so bitter wie die Story: Zwar läuft die Grafik superflüssig über den Schirm und bietet sehr ordentliche Animationen und gut modellierte Spielfiguren, allerdings sind die Texturen zumeist sehr unscharf und die gesamte Gestaltung wirkt selbst für eine sterile Forschungsbasis recht trist. Sicherlich gibt es auch schön gemachte Effekte (z.B. Schneesturm oder Wasser) und Räume, die sehr schön designt sind und auch die Seuche, die sich immer weiter ausbreitet und die Wände beklebt, sieht sehr nett aus, aber wirklich überzeugen tut die Optik nicht. Ach ja, Kantenflimmern ist leider auch relativ present, hier einen Tacken stärker, als zu verhindern wäre. Immerhin haben die Entwickler versucht dies mit einem Unschärfeeffekt für weiter entfernte Objekte zu verhindern. Hat leider nicht so ganz geklappt.
Richtig bitter wirds aber beim Sound: Während die akustischen Effekte durchweg sehr gut klingen und die Sprachausgabe gerade noch so im akzeptablen Bereich liegt, bleiben bei der musikalischen Begleitung gemischte Gefühle zurück. Manche Tracks klingen wirklich sehr, sehr atmosphärisch und führen den Spieler ohne weiteres in die Spielewelt ein, andere Tracks klingen hingegen klingen total bescheuert. Woran das liegt? Der Komponist hat offenbar versucht mit dissonanten “Keyboard-Orgel-Attacken” schockige Musik zu kreeiren, gepaart mit militärisch angehauchten Drums und leicht heroischen Unterton. Und es sträuben sich dem Zuhörer tatsächlich die Nackenhaare, allerdings nicht in der Beziehung, wie sich die Macher das wahrscheinlich gewünscht haben.

Extermination
Uninspirierter , aber durchaus genießbarer Science-Fiction-Horror, dessen Geschichte allerdings an Einfallslosigkeit kaum zu unterbieten ist.
audiovisuelle Präsentation6
Realisierung der Spielmechanik8
inhaltliche Gestaltung und dramaturgische Aufbereitung5
6.3Gesamtwertung
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