Diese Serie ist einfach nicht totzukriegen! Genauso wie ihre stöhnenden Hauptdarsteller, gegen die du ein weiteres mal als Claire Redfield antreten darfst. Claire Redfield steuerten wir ja bereits im 2ten Teil der wohl bekanntesten Survival Horror Serie die es je gab. Die College-Stundentin mit einer Vorliebe für schnelle Motoräder verschlug es diesmal nach Paris, wo sie in den Umbrella Inc. Laboratorien immernoch nach ihrem Bruder Chris Redfield (den man im ersten Teil spielte) suchte. Da sie ihren Bruder leider nicht fand, und in der fulminanten Intro-Sequenz am Anfang geschnappt wurde, beginnt das Spiel irgendwo auf einer Insel südlich des Equators …

…eine Insel im Süden !? Hmm, eigentlich hört sich das ja ganz nett an, wenn Umbrella nicht eine geheime Forschungsstation auf dem lauschigen Eiland errichtet hätte, und durch irgendein Unglück (irgendwie geht bei Umbrella immer alles schief) der T-Virus nicht ausgebrochen wäre.

Back to the roots … im positiven Sinne!

Code Veronica errinnert sehr stark an den ersten Teil der Serie und ist mit Abstand der abwechslungsreichste Teil. Wir steuern Claire (im späteren Spielverlauf steuert man auch andere Charaktere) durch ein Militär-Camp + Gefängnis, durch detailreiche Laboratorien, ein entlegenes Herrenhaus, eine Unterwasserstation, durch die Arktis und sogar einen Palast der aber leider nicht so opulent gelungen ist wie man sich ihn vorstellen mag. Rätsel haben wieder (zum Glück) stärker zugenommen und machen Resident Evil: Code Veronica zu einer sehr guten Mischung aus blutiger Action und kniffeligen Quests. Eine waschechte zombiegeprüfte Abenteuererin braucht aber natürlich auch eine menge Schießprügel die man im Spielverlauf findet. Von Armbrüsten bis hin zu zwei Uzi’s mit denen man beidhändig schießen kann, gibt es alles was das Abenteurerherz begeehrt. Die interessanten Charaktere, die die Story vorantreiben wurden jetzt öfter in den Spielverlauf mit eingebunden. Dadurch behält man die Geschichte ganz gut im Auge und das Spiel wird nicht so schnell langweilig. Die gerenderten Videosequenzen im Spiel, die wichtige Ereignisse oder Gespräche darstellen, sind mal wieder tadellos gelungen. Aber auch die Sequenzen die in der Engine selbst erzählt werden, passen stilistisch sehr gut ins positive Gesamtbild.

Das Gameplay ist wie in jedem anderen Resident Evil Teil geblieben: Automap und Inventar sind auf Knopfdruck zugänglich, gespeichert wird nur an Schreibmaschinen wenn man das benötigte Farbband dazu besitzt und Gegenstände plaziert man in Kisten (die dann später in jeder Kiste vorhanden sind) für den späteren Gebrauch. Code Veronica ist unglaublich umfangreich. Es ist locker doppelt so lang wie seine Vorgänger. Ich habe nicht schlecht gestaunt als ich dachte das ich ich kurz vor Spielende war, aber ein Freund mich großzügig darauf aufmerksam machte das ich gerade mal die erste CD von zweien durchgespielt habe (also quasi die hälfte !!!). Das ist bemerkenswert lang für ein Survival-Horror Spiel. Ausserdem ist es brutaler. Im Gegensatz zu Code Veronica sind die Vorgänger harmlos (was nicht heißen soll das die Vorgänger in Kinderhände gehören).

Claire`s neue Polygone

Die größte Ändererung jedoch ist die Grafik. In Resident Evil 1-3 bewegten sich unsere aus Polygonen bestehenden Helden noch durch vorgerenderte Hintergründe. Das machte einen Kameraschwenk oder eine drastische Veränderung in der Umwelt leider unmöglich. In Code Veronica jedoch besteht ALLES aus Polygonen. Die grafische Qualität nimmt dadurch aber keinen Abriss. Vielmehr wirkt jetzt alles viel komplexer und wie aus einem Guß. Manche Texturen wirken fast fotorealistisch und es sind auch mehr Effekte möglich wie z.b. Blitze die einen dunklen Raum erhellen, realistisch wirkende Lichtstrahlen die durch ein schmutziges Fenster scheinen oder Licht das sich auf Personen realistisch abzeichnet und dadurch einen sichtbaren Unterschied zwischen Umwelt und Personen zunichte macht. Personenschatten hingegen bestehen leider nur aus einem dunklen Punkt auf dem Boden der am Rand zunehmend heller wird.

Die musikalische Sounduntermalung ist wieder mal wunderbar gelungen, was auch nicht anders zu erwarten war. Für die englische Sprachausgabe sind sympathische, professionelle Stimmen ausgewählt worden, jedoch bei den Soundeffekten hätte man sich mehr Mühe geben können. So klingt es wenn man auf zerbrochenem Glas läuft so als versuche man Glasmurmeln auf rauhem Steinboden zu zertreten, oder wenn man das Bruzzeln eines Feuers hört erkennt man leider deutlich einen Sound-Loop.

Resident Evil: Code Veronica
Sehr gelungener Teil der Resident Evil-Reihe, der einige Ereignisse zum überschlagen und die Serie auch technisch einen wichtigen Schritt voran bringt.
audiovisuelle Präsentation8.5
Realisierung der Spielmechanik9
inhaltliche Gestaltung und dramaturgische Aufbereitung9
8.8Gesamtwertung
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