Resident Evil, bekannt als Vater aller Survival Horror Spiele. Auch wenn dies nicht so ganz stimmt, sind bisweilen sind einige Jahre seit dem ersten Teil des Gruselschockers vergangen, der ein völlig neues Licht auf die Welt der Videospiele geworfen, und sämtlichen erfahrenenen Horrorfreaks noch das fürchten gelehrt hat. Somit war es keine an den Haaren herbeigezogene Idee von Capcom, ein Remake des ersten Teils auf den Markt zu werfen; sollte dies jedoch kein billiger Abklatsch werden, sondern eine ausgereifte Präsentation, die von allen Seiten glänzen kann. Dem Spieler ist es nun erlaubt, den Meilenstein in einem völlig neuen Licht zu sehen – eine Detailfülle, die es in dem damaligen PSOne Spiel noch nicht gab.

Zur allseits bekannten Story noch ein paar Worte:

In den Fernsehern und Radios hört man es überall – ja, selbst in in den Kneipen gibt es kein anderes Gesprächsthema mehr: Die bizarren Mordfälle in Raccoon City. Es ist die Rede von Leichen, dessen Mörder wohl keine andere Absicht hatte, als seine Opfer auf brutale Weise anzufressen. Nach ausgiebigen Tests konnte das Werk eines streundenden wilden Tieres ausgeschlossen werden und alle Taten sind auf Menschen zurückzuführen. Ein typischer Fall für die S.T.A.R.S., Raccoon Citys Spezialeinheit. Nachdem Bravo Team zur Untersuchung in die abgelegene Berglandschaft von Raccoon City gesandt wird, bricht schon bald der Kontakt zu den Profis ab und ein weiteres Team muss her, welches vorort einen grausamen Fund machen muss. Waren die guten Polizisten nun auch Opfer der verrückten Bestien in menschlicher Gestalt geworden? Hat das Anwesen am Rande des Hügels etwas mit den Morden zutun? Wir finden es heraus…
Wie auch im Originalspiel kann man zwischen zwei Charakteren wählen: Chris Redfield und Jill Valentine, die das Spektakel vorort erkunden. Jenachdem, für welchen der netten Herrschaften man sich entscheidet, verändert sich auch am Anfang schon die Story des Spiels. Während man als Jill den freundlichen „Bären“ Barry zum Komplizen hat, trifft man als Chris auf die junge Rebecca, die einem oft mit ihren Kenntnissen zur Seite steht, und sich dort als nützlich erweist, wo Chris mit seinem Latein am Ende ist. So zieht sich die gesamte Geschichte durch das verlassene Herrenhaus, und seine düsteren Geheimnisse. … Verlassen? Nun, sagen wir, nicht ganz. Ein paar Einwohner gibt es schon noch, die absolut nicht mit eurem Besuch einverstanden sind, und nur darauf warten, euch zum Essen einzuladen – mit euch als Hauptgang. Die Rede ist hier nicht vom alten Tattergreis, der nicht gern unter Leute geht, sondern von Zombies, denen sich die Haut wie altes Brotpapier von den Knochen schält, während ihre selbst abgekauten Lippen mit einem finsteren Stöhnen zu verstehen geben, dass sie euch als nächste Nahrungsquelle identifiziert haben.

 

Wenn man als Spieler nicht mehr weiss, was echt ist …

… könnte man gradwegs vom „Resident Evil Remake“ spielen kommen. So verdammt echt, wie die Szenerie wirkt, hat man nicht mehr das Gefühl, vor dem Fernseher zu sitzen und zu spielen. Nein, beinahe göttlich detaillierte vorgerenderte Grafiken machen das ganze Spektakel zu einem Horrorerlebnis der A-Klasse. Ich als damaliger Jungspund bekam schon in der anfänglichen Halle des ersten Szenarios die typischen Rückenschauer. Jetzt, wo viele Jahre des Horrorspielens allmählich abgehärtet haben und mich beinahe zur Resignation zwangen, dass es kein Spiel mehr gibt, welches mir diese unangenehmen, jedoch gewollten Schauer wiederbringen kann, lernte ich das Wort „Atmosphäre“ neu zu schätzen. Durch das Remake des Klassikers kamen meine wohligen Rückenschauer zurück, was nicht zuletzt an der genialen Grafik des Spiels liegt. Auf dem gebonerten Marmorboden glänzt nun das Spiegelbild des Charakters, in abgelegenen dunklen Ecken kann man einzelne Staubkörnchen sehen und vor allem Wasserbecken geben sich derart realistisch zum besten, dass man nur mit offenem Mund staunen kann, was die Macher des Spiels geleistet haben. Detailverliebtheit ist kein Ausdruck für die nun in ganz neuem Licht glänzenden Charaktere. Bewegten sie sich im alten PSX-Klassiker noch stocksteif, umso realistischer und fliessender bewegen sie sich jetzt.

Was am „Resident Evil Remake“ besonderer Erwähnung bedarf, sind die zusätzlichen Szenerien des alten Herrenhauses, die man jetzt als Spieler erkunden darf. Man dachte sich eben noch: „Besuchen wir doch mal vertraute Plätze“, und schon stellt man fest, dass es nicht nur die anzuschauen gibt, sondern noch viele vorher nie da gewesene Orte. So kann man beispielsweise eine gänzlich neue Kelleranlage unter der Haupttreppe begutachten, sowie einen Hauseigenen Friedhof, den man ebenfalls von der Halle aus erreichen kann. Viele neue Rätsel und kompliziertere Denkaufgaben kommen noch hinzu.
Auch an Stellen, wo man sich als Alteignesessener RE Spieler denkt: „Das machen wir mit links“, muss man feststellen, dass es gar nicht mehr so einfach ist, wie es im klassischen Spiel noch war. Man kann also tatsächlich sagen, haben die Entwickler von Capcom nicht nur ein grafisch aufpoliertes Remake geschaffen, sondern gleich ein völlig renoviertes Spiel – und gerade das ist es wert, dass man als Resident Evil-Fan sofort in den Laden geht, und sich dieses zulegt. Es ist –wie sein Vorgänger- ein paar Spieldurchläufe wert! Ich sag nur: Bonusgegenstände! Wie im klassischen Spiel, kann man auch hier diverse Gegenstände freispielen, wie zb. den Raketenwerfer. Wer schon immer mal den rummuggelnden Zombies so richtig eins vor den Latz schiessen wollte, kann das jetzt sogar in neuem Design tun! Denn wo man die Fetzen fliegen sehen kann, da macht das spielen gleich nochmal doppelt soviel Spass.

What’s in your head, Zombie?

Was man zu den „Fetzen“ jedoch noch sagen sollte, ist die Tatsache, dass man es jetzt nicht nur mit kleinen, dummen Untoten zutun hat, die etwas ungelenk und clumsy in der Gegend rumtaumeln. Erlegt man erfolgreich einen Zombie, hat man anschliessend die Möglichkeit, diesen noch zu verbrennen. Nicht ohne Grund, sag ich euch. Denn tut man dies nicht, dauert es nicht lange, und der eben noch niedliche Leichenheini steht als Crimson Head wieder auf. Der Name ist hier Programm, denn der Crimson Head ist allerdings rot vor Wut. Eben noch fröhlich am rummuggeln, so rennt er jetzt mit einer Geschwindigkeit, die eure um Längen übertrifft, auf euch zu und will euch an den Kragen. Und dazu muss er euch nichtmal lang genug beissen. Es reicht eine Attacke, um euch zu töten. Man sollte also immer einen gut gefüllten Kanister mit Kerosin mit sich führen, um ausgeschaltete Zombies auch ausgeschaltet zu lassen.
Wo man an der Grafik nicht rummäkeln kann, da kann man es jedoch an der Steuerung. Zwar ist diese wie bei allen anderen Teilen der Serie gleich geblieben, jedoch hat man das Gefühl, die Geschmeidigkeit und Ausweichfähigkeit blieb ein wenig auf der Strecke. Es mag sein, dass dies nur am Gamecube Pad liegt, wenn man vorher das Playstation-spielen gewohnt war, aber ganz darauf verlassen will ich mich nicht.
Ich schiebe es aber gern darauf, dass man einfach nicht mehr so gut ausweichen „können soll“, denn sonst würden die neuen Verteidigungsgegenstände, wie zb. der Taser oder der kleine Dolch wohl nicht zum Einsatz kommen. Wird man von einem Zombie attackiert, so kann man als letzten Rettungsanker noch zu einem dieser Verteidigungsgegenstände greifen und sich somit von den fressgeilen Bestien befreien. Ein Feature, auf das man als Spieler sehr gern zurückgreift, denn wer fand es nicht lästig, wenn man erstmal in den Klauen der Zombies feststeckte.

 

Was den Sound betrifft, so kann man sich hier auf altbekannte Stücke in neuem Orchestralsound freuen. Nicht zuletzt sorgt die akustische Kulisse für ein vollendetes Gruselfeeling. Nicht nur Sounds für das Ambiente, sondern auch glasklare Melodien wurden neu gemacht und im Spiel verwendet. Und was wäre Resident Evil ohne Sounds? Abgesehen davon haben auch die Charaktäre eine neue Stimme bekommen, und auch, wenn man sich beim Klassiker noch über Barry’s ständiges „What is it“ totlachen konnte, kann man es jetzt über andere Sprüche der Charaktere; diesmal jedoch im nostalgisch angehauchtem positivem Sinne.

Alles in allem ist das Resident Evil Remake ein gelungenes Untoten Spektakel der Extraklasse, welches man sich nicht nur als Fan der Serie, sondern auch als Ottornormal-Horrorfreund zu Gemüte führen sollte!
In diesem Sinne: Frohes Metzeln!

Resident Evil (Remake)
In allen Belangen sehr beeindruckendes Remake des ersten Resident Evil-Spiels, das vor allem den serientypischen Trash-Charme fast komplett ablegen kann und somit endlich ernstzunehmend furchteinflößend ist.
audiovisuelle Präsentation10
Realisierung der Spielmechanik9
inhaltliche Gestaltung und dramaturgische Aufbereitung9
9.3Gesamtwertung
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