Eigentlich wollte Harry Mason nur mit seiner Tochter Cheryl nur Urlaub in der Kleinstadt „Silent Hill“ machen, doch unglückerweise kommt alles doch ganz anders. Auf der Hinfahrt taucht plötzlich eine schemenhafte Gestalt auf der Strasse auf und Harry reisst panisch das Steuer rum. Der Wagen gerät ins Schleudern und der Fahrer verliert das Bewusstsein. Als Harry wieder aufwacht, findet er sich und seinen demolierten Wagen wieder am Straßenrand in seinem Zielort vor, nur ist seine Tocher Cheryl verschwunden. Fortan begleiten wir den Protagonisten Harry auf der Suche nach seiner Tochter …

Noch zu Beginn sehen wir Cheryl schemenhaft durch den Nebel laufen, der Versuch ihr hinterherzurennen endet aber damit, dass wir in einer dunklen Gasse von schwer definierbaren Kreaturen niedergeschlagen werden. Als wir wieder aufwachen, befinden wir uns in einem Cafè und uns steht die Polizistin Cybil Bennet gegenüber, die aus einem Nachbarort stammt. Sie erzählt uns, dass merkwürdige Dinge in der Stadt vor sich gehen:
Sämtliche Einwohner scheinen ohne Spur verschwunden zu sein, einige Strassen brechen plötzlich mit einem tiefen, nahezu bodenlos wirkenden Abgrund ab, ebenso funktioniert kein einziges Auto mehr, dass auf der Straße zu finden ist. Merkwürdige Geräusche sind aus dunklen Ecken zu hören, sämtliche Strom- und Telefonleitungen scheinen tot zu sein, der Nebel ist ungewöhnlich dicht und es schneit … im Spätsommer.

Schauderhaft, wirklich schauderhaft!

Zu unserem Glück nimmt Cybil die Dienstvorschriften nicht zu streng und überreicht uns eine Pistole, die uns für`s erste hilft uns auf der Suche nach Cheryl zu verteidigen. Später finden wir noch größere Kaliber wie etwa eine Schrotflinte oder ein Jagdgewehr. Sollte uns die Munition mal ausgehen, können wir uns noch mit einem Messer, einen Vorschlaghammer oder einem Stahlrohr behelfen. Nach und nach kommt man dem dunklen Geheimnis von Silent Hill und Harry`s Tochter näher. Unterwegs treffen wir nicht nur auf merkwürdge, abartige Kreaturen, sondern auch auf verschiedene Charaktere, dessen Rolle in der Geschichte sich uns auch erst nach und nach offenbart. Allerdings erscheint das Böse in Form der Kreaturen und ähnliches Gesöcks nicht nur in unserer Welt, sondern der Spieler dringt auch selbst in die Dimension des Wahnsinns ein; jedoch nicht auf Knopfdruck, sondern nur dann, wenn der Spieler etwas in unserer ausgelöst hat, das ihn in eine Art Parallelwelt schickt (das parallele Silent Hill).
Wie diese auf den Rezipienten wirkt ist subjektiv, aber wenn ihr mich fragt … schauderhaft, wirklich schauderhaft: Da hängen Leichen an ihrer eigenen, langezogenen Haut in Käfigen an den Wänden; sämtliche Fußböden sind nur noch Gitter aus Metal, worunter schwarze Leere klafft; die Wände sind rostig, dreckig und blutverschmiert; wo z.B. vorher in unserer Welt noch eine verschlossene grosse Tür war, ist in dieser Welt ein riesiger, sich drehender Ventilator mit dranhängendem Blut und Fleischfetzen … uff … boah … und das war noch längst nicht alles, aber mehr verraten möchte ich zur zum parallelen Silent Hill und generell zur Geschichte nicht.

Gruselige Technik

Während des gesamten Spiels hat der Spieler eine eingeschränkte Sicht, da es entweder sehr dunkel ist oder dichter Nebel herrscht. Da hilft nur eine Taschenlampe und ein kleines Transistorradio, das anfängt zu Rauschen wenn eine Kreatur sich nähert. Überhaupt ist der Sound einfach brilliant: Geschickt werden Umgebungsgeräusche mit Musikbegleitung (die eigentlich keine richtige Musik ist, sondern eher an mehr oder weniger rhytmische, surreal klingende Geräusche erinnert) kombiniert, z.B. ertönt immer ein mysteriöses Sirenengeheul wenn der Spieler die Welten wechselt. Obwohl der Sound sehr intensiv ist, kommt auch die unheimliche Stille nicht zu kurz.
Der Soundtrack passt sich inviduell der Spielsituation an und bietet eine breite Palette von passenden Stimmungen an, die von melancholisch über bedrohlich bis zu panisch gehen. Die Soundeffekte selbst wie Fusstritte oder Türen klingen weitesgehend realistisch.

Grafisch bietet das Spiel eine komplett in Echtzeit berechnete Umgebung, die mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurde und lediglich durch etwas hölzern wirkende Animationen und eher seltene Slowdowns die Begeisterung mindert; für einen PSX-Titel ist die Optik jedenfalls recht ordentlich gelungen. Auch die Kamera gibt dem Spiel den richtigen Flair, da sie sehr cinematisch wirkt und neben statischen Aufnahmen auch Verfolgerperspektiven und manchmal sogar experimentielle Kamerafahrten einbringt. Gelegentlich werden wichtige Objekte, ob für den Spielverlauf oder für die Story, fokussiert.

Design des Grauens

Im höchsten Maße gelungen ist sowohl das Charakterdesign als auch die Darstellung der Stadt. Sehr glaubwürdig flimmert Silent Hill mit denkbaren Locations über den Bildschirm, wer auf die Karte guckt oder selbst durch die Stadt läuft, entdeckt z.B. ein Krankenhaus, einen Supermarkt, eine Tankstelle, oder auch einfache Apartmentwohnungen mit Vorgärten, Geragen und allem, was zu einer richtigen Stadt dazugehört. Fast gewinnt man den Eindruck, es handele sich um eine detaillierte und originalgetreue Nachbildung einer echten Kleinstadt, mit so viel Liebe und Energie haben die Entwickler des Spieles virtuell das fiktive Silent Hill kreiiert. Und auch die Inneneinrichtungen von Gebäuden, die man betreten kann, sind sehr schön umgesetzt worden; gerade auf den Karten bzw. Grundrissen, die man zu den Gebäuden findet, lässt sich deutlich erkennen, dass die Entwickler beim Aufbau nachgedacht haben. Zum Beispiel gibt es in einer Grundschule neben Klassenräumen auch Toiletten, einen Musikraum, zwei Lehrerzimmer, einen Schulhof, ect., die auch mit einer ebenso passenden Dekoration ausgekleidet worden sind.

Sehr geschickt „spielen“ die Programmierer auch mit den Gefühlen des Spielers. Anstatt mit billigen Horroreffekten alà „Monster, das durchs Fenster springt“ beeindrucken zu wollen, schaffen sie es allein durch eine beklemmende Atmosphäre und geschickte eingesetze Soundeffekte Spannung zu erzeugen. Durch die eingeschränkte Sicht entwickeln sich auch eigene Phantasien in dem Kopf des Spielers; oft hat der Spieler mehr Angst vor dem, was er nicht sehen, aber hören kann. Somit schlägt das Spiel besonders in die psychologische Kerbe, und das hat zumindest bei mir sehr gut funktioniert. Ein paar Shockeffekte tauchen trotzdem auf, aber die kommen gerade dann, wenn man sich sicher fühlt.
Auch der Verlauf der Geschichte ist nicht nur spannend, sondern auch sehr durchdacht und dennoch mysteriös gehalten. Die Geschichte verlangt nach einer Interpretation und erst mit Aufmerksamkeit auf kleinere und größere Details lassen sich die Puzzleteile zu einem Ganzen zusammensetzten. Dramturgisch ist „Silent Hill“ gekonnt inzeniert: Es fängt nach dem ersten Schock erst langsam an, aber zieht den Spieler immer mehr in den Bann. Stück für Stück wird der virtuelle Alptraum am Bildschirm entwickelt, die Spielabschnitte gehen wie in einem Guß über. Neben der ständigen Beklemmung und Angst bietet das Spiel auch traurige Szenen, was gerade im Bereich der Computerspiele eher eine Seltenheit ist.

Allen Lob zum Trotz …

Völlig ohne Kritikpunkte bleibt „Silent Hill“ jedoch nicht, denn neben den manchmal etwas staksigen Animationen fallen an manchen Stellen auch die eher mittelmäßigen Syncronsprecher auf, die Konami engagiert hat. Ein weiteres, wenn auch aufgrund der dichten Atmosphäre und Spannung in den Hintergrund fallendes Manko sind die leider zumeist etwas zu einfachen Kämpfe, da die Gegner weder intelligent, noch herausfordernd agieren. Wer sich nach ein paar Minuten mit der einleuchtenden Steuerung angefreundet hat und die Vorgehensweise der Gegner erkannt hat, wird wenigste Schwierigkeiten haben. Im Gegenzug sind viele der Rätsel im Spiel sehr fordernd und logisch und aufgrund ihrer abwechslungsreichen und kreativen Gestaltung lässt man sich schon ganz gerne von ihnen frustrieren.

Silent Hill
Grausame Reise in das Herz einer dunklen Seele, abgründig und poetisch zugleich.
audiovisuelle Präsentation8
Realisierung der Spielmechanik8
inhaltliche Gestaltung und dramaturgische Aufbereitung10
8.7Gesamtwertung
Leserwertung: (3 Votes)
8.8