Alien. Hundert Assoziationen.
Allein dieser Begriff erinnert an viele berühmte Fantasiefiguren, die hauptsächlich durch das Kino oder das Fernsehen bekannt geworden sind.
Jeder kennt die freundlichen Aliens, etwa den Katzenfressenden Alf oder den Ich-telefoniere-nach-Hause-ET. Jeder kennt auch die unheimlichen Aliens; jenen, denen Mulder und Scully jahrelang hinterhergelaufen sind oder die so aussahen wie Menschen, aber keine waren. Das mit Abstand berühmteste und gleichzeitig auch hässlichste ist allerdings das Alien aus der gleichnamigen Filmreihe. Nach dem Designentwurf von H.R.Giger hat sich das garstige Viech durch bisher fünf Filme und einige Videospiele gemeuchelt.

Über die vielleicht unscheinbarste Versoftung kommen wir jetzt zur Sprache. 4 Grautöne, piepsiger Sound, Streichholzanimationen: „Alien 3“ für den Gameboy, das trotz seiner frühen Entstehungszeit schon etliche parallelen zum Survival Horror-Genre aufweisen kann.

Das Spiel orientiert sich sehr stark an der Filmvorlage. Nach den Ereignissen des zweiten Teils macht das Raumschiff von Ripley eine Bruchlandung auf einem Gefängnisplaneten, das irgendwo in der hintersten Ecke des Universums steckt. Er dient lediglich zur Abschiebung weniger Gefangener, die hier ihrem Dienst als Stahlwerkarbeiter nachgehen. Im Cryoschlaf wurde Ripley durch einen blinden Passagier, einem Facehugger, ein Alien eingepflanzt und auch ein Hund, der mit bei den Gefangenen lebt, wird infiziert. Der arme Vierbeiner bringt das erste Alien hervor. Und es ist hungrig.
Soweit ist die Einleitungsgeschichte des Spieles identisch mit dem Film, allerdings weicht diese ab hier ab: Es gibt nicht nur eins, sondern gleich mehrere Aliens. Der Spieler erreicht die Basis als Ripley zu dem Zeitpunkt, an dem sie fast komplett versucht ist.

5 Striche + 1 Kreis = Ripley

„Alien 3“ ist ein Gameboy-Spiel der ersten Generation und macht daher audiovisuell nicht unbedingt soviel her. In den Dialogen, die die Geschichte immer wieder vorantreiben, bekommt man immer wieder recht nett gezeichnete Bilder zu sehen, aber der Anblick des eigentlichen Spieles ist im ersten Moment etwas ernüchternd. Aus der Vogelperspektive schaut man auf eine recht einfache Umgebungsgrafik und Figuren, die fast aussehen wie Strichmännchen. Animiert sind diese nur minimal und man kann nur erahnen, welche Aktionen nun dargestellt werden sollen. Immerhin kann man zumindest an einzelnen Details die tristen Gänge auseinanderhalten und auch die Aliens sehen gar nicht mal übel aus. Die sind – im Gegensatz zu dem Rest – sehr deutlich als das zu erkennen, was sie darstellen sollen.
Ähnlich Minimalistisch geht es beim Sound zu. Ohne Zweifel wurde von dem Entwicklern versucht die Atmosphäre des Filmes einzufangen, aber im Endeffekt hält sich dazu der Soundtrack zu sehr an seine Wiederholungsschleife und verfällt dadurch in eine Art Monotonie. Und das, obwohl die Titelmusik fast ein kleines Meisterwerk ist und trotz der minimalen Technik viel Atmosphäre versprüht. Wenigstens kann man die verschiedenen Aktionen anhand der Klänge voneinander unterscheiden und einzelne Dinge, wie etwa das Öffnen von Türen oder das Kreischen von Aliens, klingen sogar überraschend gut.

Dramaturgie? Ätzend!

Spieltechnisch macht „Alien 3“ allerdings durchaus einiges her. Zu einer Zeit, wo „Alone in the Dark“ einigermaßen frisch und ein Konzept von „Resident Evil“ noch nicht einmal zu Papier gebracht war, konnte das Gameplay dieses unscheinbaren Gameboy-Spieles mit einer ausgewogenen Mischung aus halbwegs anspruchsvollen Rätseln und ein wenig Action, die aufgrund des ständigen Munitionsmangels nicht zu einer hirnlosen Ballerei verkommt, den Spieler bereits gut unterhalten. Sogar das Menü erinnert an die späteren Survival Horror-Kollegen. Zwar verbringt man viel Zeit damit den richtigen Schlüssel zu suchen, allerdings lernt man so mehr oder weniger freiwillig die Spielumgebung kennen. Nach einer Weile tritt etwas ein, was man bei 4 Grautönen, piepsigen Sound und Streichholzanimationen nicht für möglich gehalten hätte: In dem Kopf des Spielers entsteht ein begehbares Abbild des Geschehens, in das er sich hineinversetzten kann. Vielleicht wird dies durch die eher mangelhafte Präsentation erzwungen, vielleicht liegt es aber auch einfach nur an dem recht gut durchdachten Spielverlauf, den die Entwickler sich haben einfallen lassen. Spannend ist der Titel aber dennoch nur mäßig, denn wirklich dramaturgisch ausgefeilte Situationen sind hier nicht anzutreffen. Schon eher liegt die Hauptmotivation schon fast darin, so viele kleine und große Aliens über den Jordan zu jagen und nebenbei die NPCs vor dem vorzeitigen Tod zu bewahren, die beide zufallsgeneriert durch die virtuelle Landschaft stiefeln. Zum Schluss des Spieles oder nach einem Game Over erhält der Spieler eine Auflistung seiner Leistungen.

So bleibt die Gameboy-Version des berühmtesten und hässlichsten Aliens nur eine Option für Handheld- und Horrorfreunde mit viel Fantasie. Allen anderen werden leider viel zu viele Steine in den Weg gelegt, um das Treffen mit dem schaurigem Säurespucker auch nur annähernd genießen zu können.

Alien 3
Nicht uninteressanter Versuch das Survival Horror-Prinzip auf den limitierten Gameboy zu übertragen, der sich in der Praxis nicht besonders gut spielt oder spannend ist.
audiovisuelle Präsentation3
Realisierung der Spielmechanik5.5
inhaltliche Gestaltung und dramaturgische Aufbereitung4
4.2Gesamtwertung
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