Die drei meistgehassten Regisseure im Internet sind Paul Ws. Anderson, M. Night Shyamalan und Uwe Boll. Während die beiden ersteren jedoch ohne Zweifel unbestreitbare Qualitäten aufweisen können, hat es der deutsche Regisseur besonders schwer, da seine Filme in den allermeisten Fällen weder auf der handwerklichen, noch auf der inhaltlichen Ebene funktionieren. Offenbar ist dies traurigerweise Grund genug für einige Internetuser, ihm offenkundig den Tod zu wünschen. Es wäre an dieser Stelle also ein leichtes, eine schlechte und reißerische Rezension zu seiner Videospielverfilmung „Alone in the Dark“ runterzutippen und ebenfalls die infantile Verhaltensweise besagter Menschen nachzuahmen. Da es aber keinen Grund gibt, jemanden für einen schlechten Film persönlich anzugreifen, sind folgende Zeilen der Versuch einer angemessenen Kritik. Womit eigentlich auch schon verraten ist, dass dieser Film leider enttäuscht.

Der Film greift einzelne Charaktere aus dem vierten „Alone in the dark“-Spiel auf, um sie in eine neue, thematisch ähnliche Geschichte zu werfen. Im Zentrum steht Edward Carnby, der als Kind in einem Waisenhaus aufgewachsen ist, in dem aber einige merkwürdige Dinge vorgefallen sind, an die er sich nur bruchstückhaft erinnern kann. Klar ist ihm nur, dass er aus irgendeinem Grund eines Tages geflohen ist und auf seiner Flucht Kreaturen begegnet ist, die er kaum beschreiben kann. Seine fehlenden Erinnerungen sind für ihn der Auslöser, weshalb er sich später in seinem Leben mit paranormalen Phänomenen beschäftigt. Aktuelle Forschungen seinerseits gelten Abkani-Artefakten, die über die ganze Welt verstreut sind.
Die Abkani waren eine alte Zivilisation, die vor tausenden von Jahren das Tor zur Dunkelheit entdeckt haben. Dieses wurde zwar wieder geschlossen, aber ebenso ist die gesamte Kultur auf einem Schlag von der Erde verschwunden. Carnby`s Freundin Aline, die als Kuratorin in einem ethnologischen Museum tätig ist, beschäftigt sich ebenfalls unter der Leitung von Professor Hudgens mit den Abkani. Als dieser auf einer Expedition ein weiteres Artefakt – eine mysteriöse Kiste – findet und diese geöffnet wird, tauchen plötzlich finstere Kreaturen auf, die offenbar eine Gefahr für die Menschheit bedeuten. Das ruft die Spezialeinheit 713 auf den Plan – bei der Carnby ehemals tätig war –, und mit Waffengewalt gegen die Ungetüme vorgehen. Offenbar hat Hudgens jedoch eigene Interessen, die u.a. die Menschen auf den Plan rufen, die mit Carnby im besagtem Waisenhaus gelebt haben.

Komplexität ohne Komplexität

Wirkt diese Einleitung schon etwas konfus? Obwohl der Film nicht besonders viel mit den Spielen gemeinsam hat, stellt er trotzdem ein relativ komplexes Universum dar, in dem verschiedene Parteien und Mächte agieren. Schon die ellenlange Einleitung des Filmes in Form eines Lauftextes lässt die umfangreiche Dimension der kommenden Ereignisse in der Handlung erahnen. Doch während die ersten Minuten des Films immerhin noch funktionieren und auf eine spannende Fortführung der Geschichte hoffen lassen, verliert sich „Alone in the dark“ nach und nach immer weiter in Subplots und offen gelassenen Fragen. Das Drehbuch scheitert bei dem Versuch, eine Erzählung zu präsentieren und hat es zudem schwer, das richtige Tempo zu wählen. Schnelle Sequenzen wechseln sich ohne Taktgefühl mit schleppenden Szenen ab und vermitteln so eher das Gefühl von einem wilden Zusammenschnitt statt eines Zusammenhangs.
Die anfangs noch relativ gut aufgebaute düster-mystische Grundstimmung verliert sich mit fortschreitender Laufzeit. Die Action- und Gore-Elemente nehmen ebenso zu wie sich die Dümmlichkeit der Dialoge steigert und trashige Elemente – beispielsweise unglaubwürdige Darstellungen von Computeranalysen – sich häufen. Trotz des überraschenden Endes bleibt nach dem Abspann die Enttäuschung darüber, dass der Film die prinzipiell interessanten Elemente der Exposition nicht aufgreift und näher erläutert. Naja, der Begriff der „Exposition“ ist vielleicht zu hoch gegriffen, denn obwohl das missratene Script ein einziges Drama ist, hat es längst nicht das Zeug zu solch einem. Selbst auf dem Niveau eines Action-Horrorfilms nicht.

Ebenso ärgerlich ist die Charakterdarstellung seitens der Schauspieler, also auch vom Drehbuch selbst. Mit Christian Slater ist optisch der passende Darsteller für die Figur des Edward Carnby gefunden worden; jedenfalls wenn sie an den Maßstäben des vierten Teils der Spieleserie gemessen wird. Leider stellt das Script seine Figur nur unzureichend vor lässt ihn zu einem eindimensionalen Actionhelden verkommen. Dabei hilft es wenig, dass Slater recht hölzern agiert. Auch der restliche Cast der Hauptfiguren spielt unverkennbar unmotiviert. Tara Reid wirkt als Kuratorin ebenso unüberzeugend wie Stephen Dorff als Anführer einer Spezialeinheit. Bemerkenswert und ebenso kurios an dieser Stelle ist, dass einige Nebendarsteller im Vergleich zu den Hauptdarstellern tatsächlich glaubwürdiger agieren.

verschwendetes Potential

In erster Linie ist das Script hauptverantwortlich dafür, dass der Film daran scheitert eine akzeptable Verfilmung des Quellmaterials zu sein. Auf den anderen Ebenen hat der Film aber ebenso Schwächen, obwohl handwerklich und technisch an vielen Stellen das Potential zu sehen ist, dass leider nicht ausgeschöpft wurde. Es gibt Szenen, die sich erstaunlich stimmungsvoll präsentieren und so tatsächlich die Anerkennung des Zuschauers gewinnen können. Teilweise ist dafür der Soundtrack verantwortlich, der mit minimalistischem Industrialsounds Grusel oder mit sanft klingenden Blasinstrumenten eine mystische Atmosphäre erzeugt. Ebenso sind einige Action- und Effektszenen flott und elegant in Szene gesetzt worden. Ja, es gibt sogar zahlreiche Kameraeinstellungen und -fahrten, die hervorragend sind.
Leider stehen diesen guten Ansätzen viele gegenteilige Elemente entgegen. Eine gelungene Szene wird durch mehrere aufeinanderfolgende schlechte getilgt, was sich besonders bei der Actionkomponente bemerkbar macht. War die Hintergrundmusik an einigen Stellen bemerkenswert, wirkt sie an anderen plötzlich dilletantisch und ungeschickt. Trotz der passenden Kulissen erweist sich deren amateurhafte Beleuchtung als problematisch. Oft sind Lichtquellen, die sich meist als Lichtkleckse im Bild zeigen, willkürlich und geben den Protagonisten durch ihre üppige Verwendung so gut wie nie die Möglichkeit „alone in the dark“ zu sein. Das einige Requisiten etwas zu künstlich aussehen, die CGI-Monster stellenweise wie aufgescheuchte Frösche durch die Gegend hoppeln und die Maske an vielen Stellen negativ auffällt, macht den Gesamteindruck nicht besser.

Auch wenn dies nicht die allerschlechteste Videospielverfilung ist, die je produziert wurde, ist „Alone in the dark“ besonders für Freunde der Spieleserie eine Enttäuschung, bietet aber auch für anspruchsvolle Zuschauer, denen das Quellmaterial fremd ist, nicht genug Argumente für eine Empfehlung. Schade, denn das Potential ist an vielen Stellen erkennbar und dies lässt vermuten, dass Uwe Boll und sein Team mit etwas mehr Geschick durchaus in der Lage gewesen wären, einen ansprechenden Film zu formen. Immerhin: Aufgrund des inhaltlichen und filmischen Patchworks wird der Film zumindest für Freunde trashiger B-Movie-Unterhaltung nie wirklich langweilig. Und fairerweise sei gesagt: Besser als so mancher direct-to-DVD-Schrott ist der Film trotz seiner enormen Schwächen allemal.

Eine kleine Anmerkung noch: Der Director`s Cut beinhaltet gegenüber der Kinoversion einige weitere erklärende Szenen, die den Film minimal aufwerten. Rausgefallen ist eine sehr schlecht inszenierte und ebenso schlecht platzierte Sexszene zwischen Aline und und Carnby.

Alone in the Dark (Director's Cut)
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