Ganze 20 Jahre später kommt diese Versoftung von dem John Carpenter Film auf unsere heimischen Daddelkisten. Das 82`er Remake des S/W-Horrorklassikers floppte allerdings in den Kinos sowie bei den Kritikern. Nichtsdestotrotz mauserte sich der Sci-Fi-Horror-Streifen im Laufe der Jahre zum Kultstreifen und so mancher Kinoexperte mag beim genauen Hinsehen erkennen: Grundmuster des Carpenter`s sind auch noch in heutigen US-Horrorstreifen zu finden, die eine ähnliche Thematik behandeln. Wie auch immer: Das Spiel knüpft direkt nach der Filmvorlage an.

Der Carpenter-Klassiker erzählt von grauenhaften Ereignissen an einer Forschungstation, die irgendwo in der Antarktis liegt. Dort haben Wissenschaftler ein Raumschiff ausgegraben, dass mehrere Tausend Jahre abgestürzt und unter dem Eis gelegen haben muss. Der ausserirdische Pilot ist direkt nach dem Absturz aus dem Schiff gekrochen (?) und dann im Eis erfroren, wass allerdings nicht seinen Tod bedeutet hat, sondern lediglich sowas wie einen Winterschlaf. Wie der Zufall es so will, finden die wissbegierigen Menschen das eingefrorene Wesen und tauen es auf. Dummerweise erwacht es zum neuen Leben und was noch blöder ist: Das Alien ist eine Art “Formwandler”, das jede äussere Gestalt eines Lebewesens annehmen kann und auch sonst in erstaunlich viele Teile auseinanderwachsen kann. Wie Filmkollege E.T. möchte es auch nach Hause telefonieren und es nutzt jede Gelegenheit, um Teile für ein neues Raumschiff zu ergattern (etwa aus einem Helikopter). Das wäre ja alles nicht so schlimm, wenn das Alien nicht eine eher negative Wirkung auf das Dasein der Wissenschaftler hätte; nicht nur, dass der eher feindlich gesinnte Ausserirdische einen nach dem anderen dezimiert, um seine Form anzunehmen. Nein, es sieht auch noch verdammt ekelig aus, wenn es sich verwandelt. So finden die Menschen des öfteren seltsames, verformtes organisches Gewächs, was zudem auch noch nach Kotzreiz riecht. Paranoia, Misstrauen und Angst machen sich dann schnell breit: Wie kann man es töten, wer ist nun noch er selbst und nicht schon ein Teil von dem Ding? An dieser Stelle denkt euch bitte eine nervenzerreibende, spannende Filmhandlung, denn nun mache ich einen Sprung …

Das undetaillierte Ding

… zum Spiel. Nach viel blutiger Action endet der Film und die Handlung der Versoftung hakt ein: Weil man sich Sorgen um die Forschungsbasis macht, schickt man einen Rettungs/Untersuchungstrupp los, um nach dem Rechten zu sehen. Funksignale hat man von den Wissenschaftlern nämlich schon lange nicht mehr gehört. Der Spieler übernimmt die Rolle des US Colonels Blake, der eine handvoll Leute im Schlepptau hat.

Gesteuert wird das Spiel aus der 3rd-Person-Perspektive, wobei die Kamera zu bestimmten Situationen auch zu einer festen Position wechselt. Im Regelfall dann, wenn an einem Computer rumgetippt oder an einem Schalter gewerkelt wird, so dass man immer sehen kann, was gerade im Rücken von Blake passiert (spannend bei überraschenden Angriffen). Alternativ darf in einen 1st-Person-Modus geschaltet werden, der aber nur dem genauen Zielen dient. Ansonsten visiert Blake seine Gegner weitesgehend automatisch an. Im Gegensatz zu Genrekollegen mit vorgerenderten Hintergründen genießt der Spieler dank komplett in Echtzeit berechneter Grafiken eine relativ hohe Bewegungsfreiheit, die jedoch nicht über die gängigen Bewegungsaktionen bzw. Funktionen im Genre hinausgehen. Blake kann gehen, laufen und sich ducken, jedoch nicht wild durch die Gegend springen oder nette Kunststückchen machen.
Die Grafik an sich bringt eine gehörige Portion Gruselfeeling rüber, ist aber bei genauerer Betrachtung doch eher detailarm. Die Inneneinrichtungen von Gebäuden sind eher zweckmäßig und auch die Texturen sind nicht unbedingt prickelnd. Die Animationen der Figuren sind zwar ganz ok, wirken jedoch an so manchen Stellen sehr abgehackt, was besonders die Gesichtsanimationen betrifft. Im Gegenzug dazu ist der ständige Schneesturm sehr nett anzusehen und auch die Beleuchtung der Locations weiss ohne Zweifel zu überzeugen. Und auch die Monster im Spiel sehen herrlich ekelhaft aus.

Viel Atmosphäre entwickelt das Spiel jedoch durch den Sound. Zumeist herrscht bedrohliche Stille, die von dem Summen und Surren diverser Generatoren und elektrischer Geräte begleitet wird; ebenso wie durch den ständigen Sturm ausserhalb der Gebäude. Im Gefecht verwöhnen satte Waffensounds das Gehör und die undefinierbaren Geräusche der Kreaturen lassen so manchen die Haare zu Berge stehen. Positiv zu erwähnen ist zudem auch noch die Synchronisation, die in den meisten Fällen sehr überzeugend klingt.

Getürkte Kameraden-KI

Zumindest in der Theorie klingen auch die Eckdaten des Gameplays überaus interessant und wegweisend: Blake ist oft mit bis zu vier Mitstreitern unterwegs, die alle über unterschiedliche Fähigkeiten verfügen. Da gibt es den Soldaten, der dem Spieler verdammt gut den Rücken decken, den Sanitäter, der die Spielfigur nach heissen Gefechten komplett heilen und dazu noch den Technik-Experten in der Truppe, der kompliziertere Schlaltkreise und ähnliches relativ fix wieder reparieren kann. Deren Hilfe ist oft im Spiel vonnöten, allerdings machen die NPC`s solange keinen Finger krumm, bis sie dem Spieler vertrauen. “The Thing” ist das erste Survival-Horror-Spiel, das mit einer Art Vertrauenssystem daherkommt. Wenn man z.B. jemanden die geladene Pistole wegnimmt, sinkt auch entsprechend das Vertrauen. Das Verarzten mit Medikits hingegen fördert die gemeinsame Mitarbeit.
Interessanterweise muss auch der Spieler selbst wissen, ob er der Spielfigur trauen möchte oder nicht. Möglicherweise ist einer der NPC`s bereits eine Imitation des Alien und könnte sich jederzeit in ein Monster verwandeln; ein Bluttest kann jedoch Gewissheit bringen. Neben dem Misstrauen haben Blake`s Kameraden auch noch Angst. Wenn eine Figur etwa eine Leiche nach der anderen sieht, kann es durchaus passieren, dass er auf einmal hysterisch durch die Gegend rennt und anfägt wild um sich zu schießen. Eine rechtzeitig eingesetzte Adrenalinspritze hält sie jedoch davon ab. Schlecht wird den computergesteuerten Begleitern ab und zu übrigens auch mal; zu erkennen daran, dass sie sich beim Anblick zerstümmelter Leichen oder vor Aufregung übergeben.
In der Praxis funktionieren diese vielversprechenden Features jedoch nicht besonders gut, denn die Entwickler haben ohne Ende Scripte eingebaut und somit nichts dem Zufall überlassen. So etwa passiert es, dass man mit einer Figur gerade einen Bluttest mit negativen Ergebnis hinter sich hat und kaum ist man ein paar Schritte weitergelaufen, verwandelt sich der vermeintlich “Nicht-Infizierte” in ein sabberndes Ungetüm. Völlig belanglos wie oft man das Spiel durchspielt, der Kollege wird immer an derselben Stelle im Spiel mutieren. Ebenso sind die Prinzipien in der Interaktion mit NPC`s schnell durchschaut: Nehmen wir jemanden etwas weg, guckt er doof und wünscht uns zum Teufel. Drücken wir ihm was in die Hand, grinst er wie ein Honigkuchenpferd und würde für uns sogar Saltos schlagen. Ist der Spieler so frech und ballert auf seine Kollegen, darf er damit rechnen, dass diese Aktion Folgen haben wird, die wirklich zum Schießen sind.

Trotz Schwächen ein recht spannendes Ding

Das die oben erwähten Features im Endeffekt nur wenig bringen ändert nichts daran, dass “The Thing” trotzdem beim ersten Durchspielen relativ spannend bleibt und eine gehörige Portion Action bietet, die vor allem die Herzen von Ballerfans höher schlagen lässt. Gerade Gefechte mit ein paar ebenso schießfreudigen NPC`s im Schlepptau machen einen Heidenspass; die kugelschweren Auseinandersetzungen sind zudem niemals zu schwer geraten. Wie im Film wird auch im Spiel der Flammenwerfer dazu eingesetzt, größeren Kreaturen den Rest zu geben, nachdem man sie mit Blei ein wenig überzeugt hat. Und wer Feingefühl hat, darf die Viecher auch mit der Sniper auf`s Korn nehmen. Die Steuerung geht dabei gut von der Hand und das Spiel hat eine angehm schnelle Geschwindigkeit. Im gameplaytechnischen Mittelmaß hingegen bewegen sich die Rätsel- bzw. Logikparts, die nur an bestimmten Stellen den Sprung von einer zweckmäßigen zu einer unterhaltsamen und abwechslungsreichen Ebene erreichen. Das Wechselspiel zwischen Action und Rätseln hält den Spieler aber ohne Frage auf Trab.

Das Ding aus einer anderen Welt
Auf dem Papier klingt diese Filmumsetzung grandios und hat eine fantastische Vorlage im Rücken, von der die Atmosphäre deutlich profitiert. Doch das Script schränkt den Unsicherheitsfaktor massiv ein und kompromittiert so das Konzept massiv.
audiovisuelle Präsentation6
Realisierung der Spielmechanik6
inhaltliche Gestaltung und dramaturgische Aufbereitung7
6.3Gesamtwertung
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