Manchmal erscheinen Spiele, bei deren Anblick dem Redakteur sämtliche Farbe aus dem Gesicht entweicht. Einfach, weil das, was sich gerade auf dem Bildschirm abspielt, einfach unglaublich ist. Ein Werk, dass die Grenzen des vorstellbaren überschreitet. Ein Werk, dass bewegt; zu Tränen führt; dem Schreiberling die Worte fehlen lässt. „Escape from the bug island“, der erste Survival Horror-Titel für die Wii, ist ein solches Spiel.

In vielerlei Hinsicht ist das Werk unbeschreiblich. Da wäre beispielsweise die absolut bahnbrechende technische Realisierung, die jedes andere Wii-Spiel in den Schatten stellt. Derart realistische Animationen hat man bisher noch nicht gesehen. Die Bewegungen von Freund und Feind zeigen auf beeindruckende Art, wie lächerlich eigentlich via Motion Capturing animierte Figuren von der Konkurrenz aussehen. Besonders überzeugend bewegen sich die titelgebenden Insekten. Man könnte fast meinen, es handele sich um eine akribische Kopie echter Krabbelviecher – als hätte der Animateur Dokumentationen ausgiebig studiert und seine reichhaltigen Beobachtungen eins zu eins übertragen.
Auch Texturierung, Umgebungsgestaltung und Polygonanzahl übertreffen alles bisher dagewesene. Die bei jedem virtuellen Quadratzentimeter individuell gestaltete Naturumgebung kommt derart überzeugend daher, dass man sich dem Eindruck nicht erwehren kann, selbst im Wald zu stehen. Da jeder Fleck anders aussieht, fällt die Orientierung mehr als leicht. Die Navigationskarte wäre eigentlich gar nicht nötig gewesen. Das Sahnehäubchen der Grafik sind allerdings die aufregenden Licht- und Schattenspiele, die dem Bild eine unfassbare Tiefe verleihen. Man könnte fast reingreifen, so plastisch wirkt die Optik. Die Messlatte für kommende Spiele ist also sehr hoch.

UNGLAUBLICH!

Auch die Akustik ist enorm gelungen. Allein der Soundtrack ist an Intensität und Abwechslungsreichtum kaum zu überbieten. Durch den Einsatz von vielen unterschiedlichen Instrumenten entsteht eine grandiose Dynamik, die der jeweiligen Spielsituation angepasst ist. Ob gruselige, actionreiche oder ruhige Momente: Die Musik fängt stets die passende Stimmung ein und ist somit maßgeblich verantwortlich für die nervenzerreissende Spannung. Auch illustrierende Geräusche wirken extrem echt. Ein Lagerfeuer klingt beispielsweise tatsächlich wie ein Lagerfeuer, ein Hieb mit dem Stock wie ein Hieb mit dem Stock und der Wind wie richtiger Wind. Wahnsinn, was hier für Sounds abgefeuert werden! Da schlackern selbst den Soundingenieuren von Industrial Light and Magic mit den Ohren!
Ebenso unschlagbar sind auch die Sprecher. Man hat bereits nach wenigen Sekunden den Eindruck man würde professionelle Schauspieler vor sich haben, die ein wahnwitzig brilliantes Script vortragen. Die Dialoge sind nicht nur raffiniert geschrieben, sondern tragen auch extrem zur authentisch wirkenden Charakterentwicklung bei. Tatsächlich ist allein schon das Dialogdrehbuch so edel, dass man die völlig überzeugenden Profisprecher schon fast gar nicht gebraucht hätte, um zu überzeugen. Die scharfsinnigen Gespräche gehen ohne weiteres in die Analen der Videospieldialoge ein und stürzen den Spieler in ein mitreissendes Wechselbad der Gefühle. Großartig!

 

UNGLAUBLICH!!

Aber das war noch gar nichts! Das wirklich beeindruckende an „Escape from the bug island“ ist die absolut intuitive Steuerung, die unbestreitbar das Konzept der Wii ausreizt. Sämtliche Manöver im Spiel erfordern mannigfaltige Aktionen, die eindeutig voneinander getrennt sind. So kann es keinesfalls vorkommen, dass man versehentlich eine völlig andere Reaktion bei der Spielfigur hervoruft, als eigentlich geplant war. Überhaupt zieht einen die Bedienung des Spiels gnadenlos ins Spielgeschehen hinein. Egal ob man kämpft, erforscht oder Rätsel löst: Es gibt nicht einen einzigen Keim, der einem die Freude am Spiel nehmen könnte – so tadellos lässt sich das Spiel steuern. Endlich ein Titel, der das Konzept der Wii konsequent umsetzt und einem das Geschehen am eigenen Leib fast wie in echt nachvollziehen lässt. Das ein Wii-Spiel sich so exzellent steuern lässt, daran hätte selbst Miyamoto höchstpersönlich in seinen feuchtesten Träumen nicht gedacht.

Ohnehin ist „Escape from the bug island“ auch dramaturgisch ein wahres Erlebnis. Eine mitreissende Achterbahnfahrt der Gefühle, die seinesgleichen sucht. Der Spieler durchlebt nicht nur nervenzerreissende Horrormomente, die vor allem denjenigen schlechte Träume verursachen wird, die Angst vor Insekten haben. Nein, es ist generell die packendste Horrorerfahrung, die man je mit einem Videospiel machen durfte. Die Geschichte um drei Teenager, zwei Jungen und ein Mädchen, die eine von Insekten bevölkerte Insel besuchen, um die kleinen Krabbelviecher dort zu erforschen, ist höchst originell.
Samt und sonders, weil sich durch das Interesse der beiden Jungs an dem Mädchen eine authentische Lovestory entwickelt, die so traurig und glaubwürdig ist, dass der Herzloseste die Taschentücher hervorholen muss. Überhaupt werden die Motivationsgründe der Jugendlichen bis ins Detail beleuchtet, vor allem dann, wenn einer der beiden Jungs mit dem Mädchen im nebeligen Wald verschwindet und der übrig gebliebene Held sich auf die Suche macht. Packend bis zuletzt. Mehr zu verraten würde den Spannungseffekt erheblich schmälern, gerade weil der weitere Verlauf mit sinnvoll eingesetzten Elementen wie Zeitreisen oder Symbiosen aus Mensch und Insekt so unfassbar plausibel wirkt, dass man sich dem gigantischen Sog der einmaligen Story nicht entziehen kann.
Es hat kaum ein ernsthafteres Horrorspiel gegeben. Ein Garant für Alpträume. Ein Meisterwerk der Suspense. Ein Musterbeispiel für großartige Inszenierungen. Hätten Hitchcock, Stephen King, Shyamalan und Spielberg zusammen auf einem nie zuvor dagewesenen Level der Viglianz mit all ihrer kreativen Kraft ein maßgebendes Meisterwerk voll schöpferischer, individualistischer, rebellischer Signifikanz, Brillianz und letztendlich Relevanz für jahrzehntelange Nachfolgegenerationen der Elite der Dramaturgen entwickelt – es hieße „Escape from the bug island“.

 

UN-GLAUB-LICH!!!

Bei all dieser Genialität wird das sehr abwechslungsreiche, stets fordernde und einfallsreiche Gameplay fast zur Nebensache. Fast, denn ein solch ausgeklügeltes Kampfsystem samt Gegnern mit unbeschreiblicher künstlicher Intelligenz und mannigfaltigen Kampfmanövern konnte man noch nie zuvor in einem Videospiel erleben. Auch die Adventureelemente befinden sich an der Grenze jeglicher Vorstellungskraft, so einzigartig und komplex sind sie.
Wie wohl kaum zu überlesen kann für „Escape from the bug island“ nur die höchste Empfehlung ausgesprochen werden. Man hat sich stets als Spieler gefragt, wann endlich ein solch einzigartiges Spiel erscheint. Und hier ist es: DAS absolute Meisterwerk. Unschlagbar und sehr beeindruckend in den technischen Bereichen. Absolut bahnbrechend und mitreissend auf der dramaturgischen Ebene. Alle anderen Spieleentwickler dieser Welt sollten sich in Grund und Boden schämen: Gegen dieses Spiel wirkt alles andere wie reiner Pixelschrott. Geht doch alle da wo ihr wohnt, ey!

Escape from Bug Island
In seiner Kernidee sicherlich witziges, aber in der finalen Umsetzung sehr misslungenes Horrorspiel rund um eine Insel mit Rieseninsekten. Was sich hier "Geschichte" schimpft, raubt einem den letzten Nerv, an der die aufgesetzt wirkende Wii-Steuerung schon genug nagt.
audiovisuelle Präsentation3
Realisierung der Spielmechanik4
inhaltliche Gestaltung und dramaturgische Aufbereitung1
2.7Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
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