„FEAR“ war eines dieser Spieletitel, die aufgrund vieler Vorberichte der Fachpresse und geschickter Promotion einem Hype unterliegen, der hohe Erwartungen der Spielerschaft mit sich bringt. In sehr seltenen Fällen kann das Endprodukt diesen standhalten. Leider zählt „FEAR“ zu den Titeln, die es nicht geschafft haben, auch das zu halten, was im Vorfeld mehr oder weniger versprochen wurde. Das Addon „Extraction Point“ geht mit deutlich weniger Werberummel an den Start, hat aber auch leider mit den obligatorischen Problemen eines Addons zu kämpfen.

Die Erweiterung zu „FEAR“ beginnt konsequenterweise dort, wo der Spieler beim Hauptprogramm zurückgelassen wurde. Wie zu erwarten ist die Geschichte noch längst nicht vorbei. So werden totgeglaubte Charaktere bereits in den ersten Spielminuten wiederbelebt, die Klonsoldaten wieder aktiviert und auch die Hauptaufgabe des Protagonisten wird klar definiert: Es gilt, aus dem durch die Handlung des Hauptprogramms resultierten Kriesengebiet – der halb zerstörten bzw. stillgelegten Stadt – zu flüchten; genauer gesagt zum titelgebenden „Extraction Point“ zu flüchten. Freilich ist dies deutlich schwieriger als gesagt: Die kleine Odyssee durch die Stadt führt durch U-Bahn-Schächte, ein Krankenhaus, eine Tiefgerage, durch Straßengassen und diverse andere Gebäude, die man im Hauptprogramm nur erahnen konnte. Selbstverständlich sind diese Umgebungen reichlich mit Widersachern gespickt, die die Flucht deutlich erschweren.

Déjà-vu

„Extraction Point“ gelingt es leider nicht, wirklich inhaltlich neue Akzente im FEAR-Universum zu addieren und setzt mit Ausnahme neuer Umgebungen auf altbewährte Elemente. Die Geschichte des Addons ist erschreckend simpel gestrickt und fügt keine weiteren Details zu der Handlung des Hauptprogramms hinzu. Spieler, die sich mehr Hintergrundinformationen erhofft haben, werden ebenso bitter enttäuscht sein, wie die, die eine dramaturgisch gelungene Spannungskurve erwartet haben. Hinzu kommt, dass das Programm recht kurz ausgefallen ist. Geübte Spieler haben die Endsequenz nach etwa vier Stunden gesehen, obwohl der Schwierigkeitsgrad gegenüber dem Original leicht hochgesetzt wurde.
Immerhin haben die Entwickler es geschafft, die Grusel-Szenen fast ebenso gelungen in Szene zu setzen, wie es bereits im Hauptprogramm der Fall war. Allerdings ist nicht jede Sequenz eine Überraschung. Wer die Muster des Originals noch im Hinterkopf hat, wird bei manchen Szenen ein Déjà-vu erleben. Nach wie vor wurde auch der vorherige Rhythmus zwischen Actionsequenzen und Gruselszenen zumindest im groben imitiert. In den letzten zwei der insgesamt sechs Kapitel wird jedoch verstärkt auf den Gruselfaktor gesetzt, was dem Spiel inhaltlich deutliche Pluspunkte bringt. Diese beiden Kapitel spielen im Krankenhaus und schaffen eine Atmosphäre, die mit den besten Szenen des Hauptprogramms vergleichbar sind, in diese in wenigen Schreck-Sekunden sogar toppen kann.

 

Stubenhocker

Da „Extraction Point“ nicht mehr an einem großen Handlungsort spielt, sondern quer durch die Stadt führt, in der das Geschehen abläuft, bekommt der Spieler glücklicherweise mehr zu sehen als karge Büroräume und noch kargere Lagerräume. Es ist angenehm andere Umgebungen kennenzulernen, die die Vorstellung einer eigenen Spielewelt erweitert und unterstützt. Leider verbringt man trotzdem die meiste Zeit in Korridoren und Tunneln. Außenareale sind leider relativ restriktiv ausgefallen, indem beispielsweise Nebengassen oder weiterführende Straßen durch Objekte versperrt werden. Virtuelle frische Luft gibt es nur selten zu atmen.
Gameplaytechnisch wurde nur wenige Additionen gemacht. Die neuen Waffen in Form eines Lasergewehrs, einer Minigun und einer Selbstschussanlage fügen sich nahtlos in das Arsenal des Originals ein. Fast unsichtbare Geister, die nur an ihren glühenden roten Augen zu erkennen sind und einige neue Kampfroboter sind die Neuerungen im Feld der Widersacher, die auch andere Taktiken von dem Spieler abverlangen, als er sie durch die Gegner aus dem Hauptprogramm gewöhnt ist. Ansonsten setzt das Addon auf bewährte Elemente. Die Kämpfe sind nach wie vor intensiv, fast hypnotisierend und sollte vor allem Shooter-Freunden glänzende Augen bescheren. An der hervorragenden KI hat sich ebensowenig geändert wie an dem audio-visuell beeindruckenden Feuerwerk, dass quasi auf Knopfdruck entsteht. Das auch hier wieder vorhandene Zeitlupen-Feature sorgt für einiges Staunen, nimmt dem Schwierigkeitsgrad und der Atmosphäre aber auch oft den Stachel.

 

Auch technisch gibt es keine Differenzen zum Hauptprogramm. Obwohl die meisten Umgebungen gräulich-trist ausgefallen sind und auch die Texturen alles andere als beeindruckend sind, zählt auch das Addon zu „FEAR“ zu einem der visuell beeindruckendsten Spielen, die bisher produziert wurden. Die Akustik ist ebenfalls, sehr gelungen, bedient sich aber beim Soundtrack recht oft bei Stücken, die bereits aus dem Original bekannt sind.

Das Gleiche. Nur anders.

„FEAR: Extraction Point“ ist keinesfalls ein schlechtes Addon, aber es fällt den obligatorischen Problemen einer Erweiterung zum Opfer. Viele Elemente sind bereits aus dem Originalspiel bekannt. Kleine Verändernungen und neue Orte täuschen nicht darüber hinweg, dass das Rad nicht neu erfunden wurde. Im Grunde werden die wesentlichen Bestandteile einfach wiederholt und nur geringfügig anders verpackt. Fans von „FEAR“ dürfte dies jedoch wenig stören. Sie bekommen ein solides Addon, dass ein wenig mehr von dem bietet, was sie an dem Hauptprogram so gemocht haben. Für andere Spieler dürfte dieses Addon ohnehin relativ uninteressant sein, da es nicht nur das Originalspiel selbst, sondern prinzipiell auch das Wissen aus dem Quasi-Vorgänger vorausetzt.

F.E.A.R. - Extraction Point
Sehr gut spielbarer und toll präsentierter Horrorshooter, der dem ohnehin schon nicht sonderlich spannendem Originalspiel aber bezüglich Dramaturgie deutlich hinterher hinkt.
audiovisuelle Präsentation9
Realisierung der Spielmechanik8
inhaltliche Gestaltung und dramaturgische Aufbereitung3
6.7Gesamtwertung
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