Als „F.E.A.R.“ erschien, wurde es vom Massenpublikum mit Begeisterung aufgenommen. Das Spiel sei nicht nur technisch beeindruckend, sondern würde auch dramaturgisch völlig neue Register ziehen. Der konsequent durchgehaltene rhythmische Wechsel zwischen Gefechten und Horrorsequenzen hatte die gemeine Spielerschaft schnell am Haken – außer denjenigen, die außer „F.E.A.R.“ noch andere Horrorspiele gespielt hatten. Die werden auch mit den Augen rollen, wenn sie das zweite Addon „Mission Persus“ zu Gesicht bekommen.

Es erscheint selbstverständlich und doch ärgerlich zugleich, dass an dem Grundprinzip des Hauptspiels nur wenige Veränderungen vorgenommen wurden. Die üblichen Verdächtigen eines Addons tauchen auch hier auf: Neue Waffen, neue Gegnertypen, neue Multiplayerkarten und eine alternative Perspektive zu der Geschichte von „F.E.A.R.“. Letzteres dürfte sicherlich der größte Hauptanreiz sein, die knappen fünf Stunden Spielzeit zu investieren. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Mitglieds einer Sondereinheit, die parallel zu den Einsätzen von dem Hauptspiel und dem ersten Addon agiert. So sind Dejavu`- Erlebnisse sprichwörtlich vorprogrammiert, was der fiktionalen Welt noch mehr Tiefe verleiht. Nach wie vor ist diese relativ militärisch geprägt und dreht sich um Verschwörungen in den Reihen der amerikanischen Regierung. Irgendwo dazwischen hat eine gruselige Komponente mit Geistern Platz gefunden, die sich durch die Ereignisse im diesem Addon tatsächlich erst zu einem runden Ganzem fügt. Hat man sich in den vorherigen Episoden noch gefragt, wie sich manche Erscheinungen erklären, so ergibt sich hier endlich ein Sinn – auch wenn dieser nicht sonderlich raffiniert ist.

Nichts neues an der Front

Von diesem durchaus wertvollen Punkt abgesehen gelingt es „Mission Persus“ nicht weitere neue Errungenschaften zu erhaschen. Für ein nach Horrorunterhaltung forderndes Publikum ist tatsächlich sogar lediglich die zweite Hälfte interessant. Die ersten Intervalle – so werden die Kapitel bezeichnet – bestehen zum größten Teil aus Straßengefechten, in denen zwar die geschickt agierende KI für kurzweilige Gefechte sorgt, inhaltlich aber wenig „fear“ geboten wird. Erst später baut sich stellenweise knisternde, wirklich gelungene Spannung auf, die es zumindest für wenige Minuten auch mit Genrekollegen aufnehmen kann. Doch diese Höhepunkte sind kurz und werden stets immer wieder von Gefechten unterbrochen. Selbstverständlich ist in „F.E.A.R.“ wie es sich für einen Ego-Shooter gehört der Actionanteil enorm, doch stößt die Ungeschicklichkeit der dramaturgischen Führung und damit zusammenhängend die viel zu häufige Platzierung solcher Ballereien unangenehm auf.
Immerhin bietet „Mission Persus“ einige sorgfältig platzierte und somit sehr effektive Schockszenen, die selbst erfahrene Spieler sprichwörtlich von Hocker hauen könnten. Auch ein bemerkenswert neuer Gegnertyp – eine Art Monster, die sich in einer schwarzen, fast schattenartigen Flüssigkeit im Boden versteckt und die eigene Spielfigur bei Berührung unweigerlich in seine „Grube“ zieht – wird für Herzstillstände sorgen. Aber das sind nur wenige Lichtpunkte in dieser ansonsten erschreckend mittelmäßigen Erweiterung. Es hat sich weder technisch etwas zu dem bereits zwei Jahre alten Hauptspiel getan, noch hat sich das gradlinige Gameplay in irgendeiner Form verändert. Zwar gibt es neue Orte zu besichtigen, aber ein großer Teil könnte fast aus den vorherigen Episoden übernommen worden sein. Sogar der Löwenanteil der Akustik wurde einfach kopiert. Auf negative Weise ins Auge sticht zudem, dass etwa ein Viertel der Abschnitte einen gestalterisch mangelhaften Eindruck hinterlassen. Auffällig quadratische Räume mit extrem unüberzeugenden Texturen kann selbst die Dunkelheit nicht verbergen. Auch bei Tageslicht machen die Umgebungen eine nicht gerade gute Figur.

Wer brauchts?

Ist „Mission Persus“ also belanglos? Nicht zwangsläufig. Es fügt zumindest eine neue, nicht ganz uninteressante Perspektive und neue Puzzleteile zum F.E.A.R.-Universum hinzu und bietet zumindest Fans der Reihe solide Unterhaltung. Die bekommen immerhin mehr von dem Futter, was sie schon vorher gern gefressen haben. Doch im Vergleich zu anderen Horrorspielen ist vor allem „Mission Persus“ tatsächlich relativ überflüssig. Anspruchsvolles Gruseln sieht anders aus.

F.E.A.R. - Perseus Mandate
Fans dürfen sich über ein paar neue Puzzleteile für das F.E.A.R.-Universum freuen. Davon abgesehen ist dieses Addon leider nur bedingt uninteressant.
audiovisuelle Präsentation7
Realisierung der Spielmechanik8
inhaltliche Gestaltung und dramaturgische Aufbereitung4
6.3Gesamtwertung
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