Squaresoft, bekannt für die beliebte Rollenspielserie „Final Fantasy“, hatte sich schon einmal kurz nach Erscheinen von Capcom`s „ Resident Evil“ in das Survival-Horror Genre gewagt. Leider durften europäische SpieleAr nicht den Genuss des ersten „Parasite Eve“-Spieles kommen und waren so auf den Import angewiesen. Warum das Spiel nicht hierzulande erschien, bleibt ein kleines Rätsel, denn es war alles andere schlecht. Anstatt dreist vom Horrorklassiker zu klauen, entwickelten die Programmierer eine ganz eigene Art von Spiel, die man am besten als eine Mischung aus Rollenspiel und – wer hätte das gedacht – eben solchen kleinen Horrorspielchen die wir so lieben, bezeichnen kann. Tja, und den Nachfolger kriegt man hierzulande erfreulicherweise in jeden gut sortierten Spieleladen.

„Parasite Eve II“ knüpft chronologisch an die Geschichte des ersten Teils an. Für diejenigen, die den ersten nicht kennen: Virenversechte, potthässliche Kreaturen verwüsteten vor einigen Jahren halb New York. Diese unangenehmen Zeitgenossen sind durch ihre eigenen Mitochondrien entstanden; Kraftwerke in den Zellen, die urplötzlich den gesamten Wachstumsprozess übernommen haben und aus relativ harmlosen Kreaturen aggressive Monster macht. So kommt es, dass aus Ratten, die eigentlich das Weite suchen würden, Kreaturen werden, bei denen man nicht nach Sonnenschein fragen sollte. Wie dem auch sei, dass diese Dinger sich nicht noch weiter ausgebreitet haben, hat man der Blondine Aya Brea zu verdanken. Der Witz an der Sache ist: Aya`s Mitochondrien mutieren ebenfalls, allerdings zählt sie zu den wenigen Glücklichen, auf die das eine relativ positive Wirkung hat.
Wieso, weshalb und warum sei hier noch nicht verraten, denn auf diese Fragen möchte explizit der zweite Teil Antwort geben. Nach dem ganzen Ärger in New York ist Aya nach L.A. gezogen und arbeitet dort aus FBI-Agentin. Jedoch jagt sie nicht Serienkillern hinterher, sondern den übriggebliebenen Monstern von dem Desaster in New York. Die Arbeit ging gut voran und man stimmte sich optimistischer, bis eines Tages in eineAm Wolkenkratzer eine neue Spezies ein ganzes SWAT-Team dahinmetzelt. Hier beginnt das Abenteuer von Aya bzw. des Spielers und man macht sich auf die Suche nach Antworten. Nicht nur auf den Zwischenfall in dem Wolkenkratzer, sondern auch auf die vielen Fragezeichen in Aya`s Vergangenheit …

 

Survival Horror mit richtigem Kampfsystem

Schon beim ersten Gegner fällt das etwas andere Spielprinzip von „Parasite Eve II“ auf: Auf Knopfdruck oder automatisch (abhängig davon, ob der Spieler oder der Computergeger zuerst angreift) wird in einen Kampfmodus gewechselt, in dem der Gegner erst mal anvisiert werden muss, bevor er attackiert werden kann. Jeder Treffer wird mit einer Anzeige der verlorengegangenen Lebenspunkte quittiert und der Kampf selbst läuft nicht rundenbasiert, sondern in Echtzeit ab. Geschicklichkeit ist also trotzdem erforderlich.
Die Wahl der Waffe ist mannigfaltig: Entweder man bedient sich einer Schusswaffe oder greift auf PSI-Fähigkeiten zurück, die im Prinzip wie Zaubersprüche in Rollenspielen funktionieren. Die können im Laufe des Spieles durch erworbene Erfahrungspunkte inviduell auf einzelne Schwerpunke erweitert werden. Wer sich also während des Kampfes lieber Heilen möchte anstatt seine Gegner zu verbrennen, kann dies auch gerne tun. Je weiter man vorankommt, desto mehr Lebensenergie und PSI-Energie kann Aya aufnehmen. Auch das Inventar und die Wafen können erweitert werden.
Trotz dieser vielen Möglichkeiten, den Spielcharakter weiter auszubauen, bleibt das System jederzeit sehr übersichtlich und verständlich.

Stärker als im ersten Teil erinnert die Optik an Resident Evil: Die Heldin läuft als Polygon-Figur durch vorberechnete Hintergründe, die cinematische Kameraeinstellungen bietet. Ab und zu gibt es technisch hervAorragende Zwischensequenzen zu sehen, die das Spielgeschehen und die Handlung untermalen. Die Grafik darf als grandios bezeichnet werden, da merkt man sofort, dass die Programmierer von Square am Werke waren. Obwohl die Playstation schon einige Jahre auf den Buckel hat, zaubern die Entwickler trotzdem noch schöne grafische Spielereien auf den Schirm; so etwa Spiegelungen auf Fensterscheiben, Licht von Scheinwerfern oder Zwischensequenzen, in denen man die Spielfigur steuern kann (!: auch in Final Fantasy 8 zu bewundern). Die Animationen und die Texturen der 3D-Modelle selbst sind ohnehin sehr gelungen.

Macken im Detail

Etwas karger sieht es da schon beim Sound aus. Die Effekte klingen alle sehr gut, die bedrohlichen Synthiekläge vermitteln passend zum Spielgeschehen eine prima Atmosphäre, nur leider fehlt eine Sprachausgabe, was den Gesamteindruck stark lindert. Anstatt Gesprächen zu horchen liest sich der Spieler eine ganze Reihe von Texten durch. Das bringt sicher niemanden um, aber schön wär`s trotzdem gewesen.
Ärgster Kritikpunkt neben der Sprachausgabe ist auch die Steuerung: Auch wenn sie sicherlich gut gelöst ist und man sich nach einer Zeit daran gewöhnt, bleibt sie vor allem im Kampf gegen stärkere oder viele Gegner dennoch sehr fummelig. Aya bewegt sich nicht besonders schnell und in manchen Spielsituationen macht sich auch der Bild- / Perspektivenwechsel negativ bemerkbar.

Insgesamt kann „Parasite Eve II“ überzeugen und ist vom Spielverlauf her auch mehr als nur ein einfacher Resident-Evil-Klon. Aber in einem wichtigen Punkt muss es sich trotzdem dem Klassiker geschlagen geben: In der Spannung. Auch wenn die Geschichte von Aya Brea packend ist, so ist der Spannungsfaktor und auch der ständige Nervenkitzel bei den „ReAsident Evil“-Spielen höher. Nichtsdestotrotz ein Horror-Spiel, dass man auf jeden Fall mal antesten sollte.

Parasite Eve 2
Gelungene Fusion aus Survival Horror und RPG, mit einigen sehr schönen Ideen in der Spielmechanik. Auch die Geschichte ist interessant erzählt.
audiovisuelle Präsentation7
Realisierung der Spielmechanik9
inhaltliche Gestaltung und dramaturgische Aufbereitung8
8Gesamtwertung
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