1996 brachte Capcom ein Spiel auf den Markt, dass das Genre des Survival Horrors erheblich prägen sollte.
Biohazard, in unseren Gefilden als Resident Evil bekannt, hat seitdem kaum eine Konsole ausgelassen. Auch mobile Zombies sind nichts Neues, denn bereits 2001 erschien mit Resident Evil: Gaiden ein für den GameBoy Color erhältliches Spin-Off.

Die Geschichte entspricht Eins zu Eins dem Original der Playstation: Nachdem das Bravo Team der Spezialeinheit STARS im fiktiven Racoon Forest verschwindet, wird das Alpha Team mit deren Rettung beauftragt. Von unbekannten Kreaturen angegriffen, flüchtet sich das Team in eine Villa. Ihr könnt wahlweise mit den STARS Chris oder Jill spielen, was sich auch hier auf den Schwierigkeitsgrad und teilweise auf die Geschichte auswirkt. Jill kann mehr tragen und besitzt einen Dietrich, während Chris mehr austeilen kann.

Ich glaub, ich seh doppelt!

Bei jedem DS Spiel stellt sich die Frage, wie dessen Eigenschaften genutzt werden. Da wären zum einen die beiden Bildschirme. Bei RE: Deadly Silence zeigt der Touchscreen das Spielgeschehen, während der obere Bildschirm eine Karte des Stockwerks sowie euren aktuellen Ballermann anzeigt. Außerdem dient er als Gesundheitsanzeige und verfärbt sich, wenn den Helden zu stark zugesetzt wurde. Touchscreen und Mikro kommen im so genannten „Rebirth-Modus“ zum Einsatz. Allzu anhängliche Zombies schüttelt ihr ab, indem ihr mit dem Stylus hektisch über den Touchscreen rubbelt. Viele Rätsel wurden erweitert. So müsst ihr zum Beispiel eine Waage ins Gleichgewicht bringen oder eine Uhr stellen. Neu ist auch das sog. „Knifeing“. Betretet ihr einen Raum, so kann es passieren, das dass Spiel in die Ego Perspektive schaltet und ihr euch mit dem Messer verteidigen müsst. Man bestreitet sogar einen ganzen Boss-Kampf so.
Kommt ihr unverletzt da raus, hinterlassen die Monster Goodies in einer riesigen Blutlache. Der Schuss kann aber auch nach hinten losgehen und ihr werdet stark geschwächt. Das Mikro kommt nur ein paar Mal zum Einsatz: Hier ein paar Kerzen auspusten, da einen Kameraden beatmet, das wars. Wer lieber das unangetastete Original spielen will, kann auch den „Classic Modus“ spielen, in dem die Touchscreen-Einsätze wegfallen.

Die Steuerung ist im wesentlichen gut gelungen. Vermisst habe ich den Analogstick nicht. Glücklicherweise können Jill und Chris sich rasch um 180° drehen, so dass ihr euch auch gegen Angriffe von hinten schnell zur Wehr setzen könnt. Besonders bei Angriffen von allen Seiten ein Segen. Ihr habt die Wahl zwischen zwei Tastenbelegungen. Des Weiteren lässt sich die Empfindlichkeit des Mikrofons und die Blutfarbe einstellen.

Und es gibt Multiplayer. Allerdings nicht Online und nur wenn jeder Spieler ein eigenes Modul hat. Gespielt werden kann mit zwei oder vier Spielern kooperativ oder gegeneinander. Allerdings wird nicht das Hauptspiel bestritten, sondern es kann nur auf drei kleineren Karten gespielt werden, die sich Szenarien aus dem Hauptspiel borgen. Zudem sieht man seine Mitspieler nur als Sternchen auf der Karte und kann diese nicht direkt angreifen. Im Versus-Modus gewinnt der, der als erster die Karte meistert oder als einziger Überlebt. Im Coop müssen alle Spieler zusammen Aufgaben lösen. Da man sich selbst nicht sehen kann und das Hauptspiel nicht kooperativ gespielt werden kann, ist der Multiplayermodus wohl eher als Bonus denn als echter Kaufgrund zu sehen.

Gruseln? Im Miniformat???

Technisch hat Deadly Silence viele Gesichter. Das Spiel läuft durchgehend flüssig. Doch eingespielte Videos wie das Intro (das Playstation Original!) werden total verwaschen dargestellt und nutzen noch nicht mal die volle Größe des Touchscreens! Schöner sind dagegen die Ladezeiten. Die Türanimationen sind wohl nur noch der Nostalgie wegen da. Ihr könnt sie auf Knopfdruck überspringen. Die eigentliche Spielgrafik steht der PS1 Grafik in Nichts nach. Alles andere wäre auch lächerlich gewesen. Auch beim Ton gibts nicht zu meckern: Die Schüsse und Zombiegestöhne klingen satt im Stereoton aus den Boxen, das beste Ergebnis liefern allerdings (gute) Kopfhörer. Und es gibt eine richtige Sprachausgabe. Ich kenne kein anderes DS Spiel, das so was bietet. Leider ist die Sprachausgabe auch der größte Atmosphärekiller. In Verbindung mit dem unglaublich trashigen Introfilmchen passt das vielleicht (Stichwort: „No! Don’t Go!!!“), aber das weitere sinnlose BlaBla (vor allem zwischen Chris und Rebacca) nimmt den Horror seinen Schrecken. Immerhin verliert Jill die Fassung, als vor ihren Augen ein Teammitglied ermordet wird. Das Spiel wurde zum Glück nicht weiter geschnitten. Wie viele Spiele MIT USK Siegel können heute noch Blutfontänen und rollenden Köpfe bieten?

Aber kann Survival Horror auf einem Handheld schocken? Noch dazu der DS? Nun, es geht. Immerhin ist Resident Evil schon 11 Jahre alt! Das Genre hat sich mit Spielen wie Eternal Darkness, Haunting Ground und Condemned sowie den ganzen Sequels einfach weiterentwickelt. Doch in einem abgedunkelten Zimmer mit (guten) Kopfhörern verursacht der Klassiker immer noch Gänsehaut. Vor allem die Hunde, die durch die Fenster kommen, schocken zeitlos. Ebenso die Stellen, an denen Monster von allen Seiten kommen. In einer vollbesetzten S-Bahn bleibt dieser Effekt natürlich aus.

Wem kann man Deadly Silence also ans Herz legen? Echte Fans der Serie haben längst zur Playsation, spätestens zur neuaufgelegten Gamecube Version gegriffen. Einsteiger sind mit jener Fassung auch besser beraten, da das Remake viel mehr Atmosphäre rüberbringt als das angestaubte Original. Wer aber wie ich weder eine Playstation, noch den Gamecube hat, kann bedenkenlos zu diesem liebevoll aufbereiteten Klassiker greifen. Schließlich hat Resident Evil in keinem Punkt abgenommen.

 

 

Resident Evil: Deadly Silence
Gute Portieren des Klassikers auf das Handheld-Format, auf dem er immer noch Charme beweist. Aber die Welt hat sich weiter gedreht und andere Genre-Vertreter lassen die kommerzielle Initialzündung des Survival Horror-Genres mittlerweile altbacken aussehen.
audiovisuelle Präsentation9
Realisierung der Spielmechanik8
inhaltliche Gestaltung und dramaturgische Aufbereitung5
7.3Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
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