Eine “Resident Evil”-Episode auf dem Gameboy Color??? Da fallem einem sofort die technischen Eigentschaften des kleinen Handheld-Gerätes ein, zumal Capcom vor ein paar Jahren die Konvertierung des ersten “RE”-Teils aufgrund unbefriedigender Arbeitsergebnisse verworfen hat. Aber keine Angst: Obwohl die Hardware weit weg von der der Next Generation-Konsolen ist, ist “Resident Evil: Gaiden” besser als man zunächst vermuten würde.

Da sich auf dem Gameboy sehr schlecht dreidimensional wirkende Räume darstellen lassen, wird das Spiel in erster Linie aus der Vogelperspektive gespielt. Somit verschwindet auch automatisch die packende Atmosphäre, die mit den unterschiedlichen Kameraperspektiven möglich war. Gleichzeitig entfallen die überraschenden, nervernzerreissenden Momente, die in der Serie üblich waren. Trotzdem sieht die Grafik den technischen Umständen entsprechend sehr ordentlich aus. Zudem wird ein wenig düstere Atmospähre durch die depressive Musik verursacht. Tja, selbst die minimalistische Soundtechnik des “Spieljungen” kann wirken.

Klein und nicht unbedingt „Oho!“

Neben der Präsentation ist auch das Gameplay von “RE: Gaiden” gegenüber seinen größen Brüdern abgespeckt. Man verbringt sehr viel Zeit damit, Dialoge zu lesen und gegen Zombies zu kämpfen. Irgendwo dazwischen ist es manchmal nötig, einen Schlüssel zu finden, die entweder frei herumliegen, versteckt sind oder von Zombies rumgetragen werden. Letzteres verlangt von dem Spieler sich in Kämpfe verwickeln zu lassen, obwohl die Munition knapp ist und Gegner sich in den meisten Fällen leicht umgehen lassen. So ein Untoter gibt einen Schlüssel nur dann her, wenn man ihn mit genügend Waffengewalt umgestimmt hat.
Der eigentliche Kampf unterscheidet sich auch sehr stark von den ursprünglichen “RE”-Spielen. Im Falle einer kämpferischen Auseinandersetzung wechselt die Perspektive, wo man seine Charaktere im Vordergrund sehen kann und auf der gegenüberliegenden Seite die Zombies entgegenkommen. Unten läuft relativ schnell ein kleiner Strich auf einem Balken horizontal hin und her, der das Fadenkreuz symbolisiert. Befindet sich das Fadenkreuz über dem Gegner, muss die Waffe abgefeuert bzw. mit dem Messer gestochen werden. Je näher sich dieser Strich in der Mitte des Ziels befindet, desto größer ist der Schaden. Somit ist in diesen Sequenzen hohes Timing gefragt.

Monster in der light-Fassung

Gerade eben habe ich von mehreren Charakteren geschrieben. Tatsächlich kann man während des Spielverlaufs mehrere Spielfiguren steuern und auch im Kampf jederzeit zwischen ihnen wechseln. So sind taktisch kluge Züge möglich, etwa wenn ein Charakter gerade angegriffen wird, kann der Spieler schnell zu einem anderen wechseln und den Angreifer unter Beschuss nehmen. Wie gewohnt gibt es verschiedene Rüstungen, Heathpacks und Waffen, die einem das Spielerleben leichter machen. Nur die Gegner sind diesmal weniger variantenreich: Fieslinge wie die angefressenen Hunde, dem Licker oder gar die Riesenspinne verzichten auf einen Auftritt, stattdessen werden dem Spieler zum Großteil Zombies der klassischen Art vor die Flinte laufen.

Da sich Spielverlauf und Präsentation sehr stark von den üblichen Resident Evil-Spielen negativ unterscheiden und den Gruselfaktor auch nicht entsprechend in die Höhe treiben können, ist es wahrscheinlich die Geschichte, die in erster Linie Fans dazu bringen wird, das Spiel zu spielen. Das gesamte Spiel handelt nicht mehr in der fiktiven Stadt Raccon City, sondern auf dem Luxuskreuzer “Starlight”, wo sich (fast) die gesamte Besatzung mit dem altbekannten Virus infiziert hat. Dieser verbreitet sich allerdings auf eine Art und Weise, die an dieser Stelle nicht verraten wird.
Der Spieler übernimmt die Rolle von Barry Burton (später auch von zwei anderen Figuren), der sich auf die Suche von Leon S. Kennedy machen soll, der kürzlich erst verschwunden ist. Kennedy sollte Informationen zu den neuesten Experimenten der “Umbrella Corp.” sammeln.
Die Geschichte ist überraschend interessant gestrickt und bietet viele Wendungen. Fragen zu dem Schicksalen von Burton und Kennedy zwischen “RE 2” und “RE: Code Veronica” werden in diesem Spiel beantwortet.

Was bleibt zu sagen? “Resident Evil: Gaiden” ist trotz der technischen Einschränkungen des kleinen Gameboys dennoch ein irgendwo nettes Spiel geworden. Trotzdem verhindern abwechslungsarme Gegner, etwas lasche Action und die weitesgehend fehlenden Rätsel mit ein wenig Anspruch einen hohen Platz auf der Wertungsskala.

Resident Evil: Gaiden
Die erste Handheld-Umsetzung der großen Resident Evil-Reihe ist sicher nicht ohne Charme, aber neben technischen Limitierungen belasten auch fades Gameplay und eine öde Geschichte den Titel.
audiovisuelle Präsentation6
Realisierung der Spielmechanik6
inhaltliche Gestaltung und dramaturgische Aufbereitung4
5.3Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
0.0