Nach drei sehr erfolgreichen Teile der “Resident Evil”-Reihe wagte Capcom mit “Survivor” ein Experiment: Aus der Pseudo-3D-Grafik der alten Teile sollte ein Spiel mit “echter” 3D-Engine im RE-Universum entstehen, ohne die Spannung der alten Teile zu verlieren. Was zunächst vielversprechend klingt, ist im Endeffekt leider nicht mal halb soviel wert wie die ursprüngliche Idee an sich.

Gespielt wird “RE: Survivor” mit dem “G-Con 45”-Lightgun-Controller; wer kein solches Gerät besitzt, kann auch zum regulären Joypad greifen.
Durch das neue Steuerungskonzept verändert sich das Gameplay zu den Vorgängern grundlegend: Gespielt wird “Survivor” aus der Ich-Perspektive, womit sich das Spiel auch auf dem ersten Blick so anfühlt wie ein First-Person-Shooter. Ändern tut sich dies schnell, wenn man versucht auf einen Gegner zu schießen: Per Knopfdruck gelangt man in einen “Ziel-Modus”, bei dem der Spieler zwar zielen und schießen, sich jedoch nicht vom Fleck bewegen kann. Relativ schnelle Reaktionen sind somit gefragt, wenn die eigene Spielfigur von mehreren Gegnern umzingelt ist. Neben der vielen, in der Praxis sehr anspruchslosen Ballerei gibt es relativ wenige Rätsel, die nach dem “Suche Schlüssel A für Tür B”-Prinzip funktionieren.

Ein Schritt in die falsche Richtung

Durch das Arcade-Konzept muss “RE: Survivor” viele Einschränkungen über sich ergehen lassen: Gespeichert werden kann während des Spiels nicht. Scheitert der Spieler, muss er von Anfang an neu beginnen. Erhalten bleiben lediglich aufgesammelte Waffen und Power-Ups. Wer es dennoch bis zum Ende schafft, wird mit einer sehr kurzen Spielzeit negativ überrascht, denn nach etwa drei bis vier Stunden ist das Spiel durchgespielt. Freigeschaltete Spielmodis, die zum erneuten Spielen anreizen, gibt es nicht. Einziger Lichtblick ist in diesem Punkt die Möglichkeit, an manchen Stellen des Spiels verschiedene Lösungswege zu gehen.
Als wäre das Gameplay nicht schon schwach genug, ist auch die Präsentation nicht gerade der Renner. Die 3D-Grafik ist im höchsten Maße pixelig und undetailliert, die Animationen der Spielfiguren wirken in den meisten Fällen etwas plump. Auch der Sound kann nicht wirklich überzeugen, da vor allem die teilweise sehr Arcade-mäßig klingende Musikuntermalung dem Spiel sehr schnell das bißchen Grusel wegnimmt, den es zu Beginn des Spiels noch hatte. Die Soundeffekte klingen ganz solide.

 

Das nationalsozialistische Umbrella

Die Geschichte bemüht sich im “RE”-Universum zu bleiben, ist aber im Detail betrachtet nicht an allen Stellen kompatibel mit dem bisherigen und zukünftigen Handlungsverlauf der Serie. Der Spieler steuert einen jungen Mann namens “Vincent”, der zunächst nach einem Helikoptercrash sein Gedächtnis verloren hat. Auf der Suche nach Antworten findet er heraus, dass er verantwortlich für die absichtliche Verbreitung des G- und T-Virus in der Stadt ist. Ausserdem hat er grausame Experimente an jungen Sklaven aus aller Welt durchführen lassen. Durch seinen Gedächtnisverlust hat er seine Bösartigkeit verloren und plötzlich tut ihm alles Leid.
Parallelen zu Adolf Hitler scheinen von den Programmierern durchaus beabsichtigt zu sein, zumal das Umbrella-Logo – vielerorts an Wänden und anderen Stellen zu finden – in diesem Zusammenhang beinahe wie ein Hakenkreuz wirkt. Gerade durch dieses Spiel wirkt die fiktive Umbrella Corp. sehr nazihaft; ob dies ursprünglich so gedacht war, sei an dieser Stelle dahingestellt.
Für Fans sicherlich ärgerlich ist das auftreten mancher Gegner, die in die Story nicht so recht hineinpassen wollen, wie z.b. Ninja-artige Kreaturen, die über grünes Blut verfügen.

“RE: Survivor” ist allgemein betrachtet eine Enttäuschung. Weder das Gameplay, noch die Technik kann bei diesem Titel überzeugen. Was bleibt, ist der fade Beigeschmack, es handele sich hierbei um ein schnell runterprogrammiertes Spiel, dessen höchstes Ziel es ist, den armen Fans einfach nur das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Resident Evil: Survivor
Misslungener Versuch das Resident Evil-Franchise auf das Lightgun Shooter-Genre zu übertragen. Im Gegensatz zu seinen Arcade-Kollegen ist "Survivor" zu behäbig. Für ein Horrorspiel ist inhaltlich zu wenig dran.
audiovisuelle Präsentation4
Realisierung der Spielmechanik4
inhaltliche Gestaltung und dramaturgische Aufbereitung3
3.7Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
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