I BELIEVE IN A THING CALLED LOVE!

Damit meine ich jetzt nicht die Liebe zu meiner Freundin, auch nicht die Liebe zwischen einem Mann und eine kubanische Zigarre, nein, vielmehr rede ich von der Liebe zum Detail, die Spieleentwickler Ihren „Kindern“ zukommen lassen.
Leider ist diese Liebe immer seltener anzutreffen in heutigen, großen Spieleabenteuern. Warum ich „The Darkness“ für solch ein, mit viel Liebe zum Detail entwickeltes, Spiel halte, werde ich noch schildern, vorher aber folgendes:

Jaaaaaaaa, ich hör euch schon unken: „Wow, Toto, da haste ja mal wieder das aktuellste vom aktuellen hervor geholt, diesmal auch nur mit ner Staubschicht von 10 Zentimetern Dicke!“
Tjoa, was soll ich sagen? Mea culpa. Bei Veröffentlichung von The Darkness hatte mich das Spiel nicht wirklich angesprochen bzw. hab ich es nicht Näher verfolgt.
Gut, ich hörte wohl vom Buschfunk, dass es ziemlich gut sein soll (wenn auch in SCHLAND bis zur Unkenntlichkeit zerschnitten), aber das juckte mich nicht weiter.
Ich lud mir sogar die Demo runter, spielte sie aber nie an.
Bis ich vor kurzem mal Langeweile schob und die Demo startete.
2 Tage später hatte ich die Versandbestätigung im Postkorb…

Alles Gute!

Man schlüpft in die Haut des jungen Mafiakillers Jackie Estacado. Sein 21ster Geburtstag startet auch ganz stilecht mit einer Autoverfolgungsjagd durch den New Yorker Hudson Tunnel. Viele Freunde wird Jackie aber nicht auf seine Party einladen können, knutscht der eine Beifahrer doch recht flott beim überholen einen LKW und verröchelt der letzte Begleiter nach einer eher unkonventionellen Einpark Aktion – manche Leute würden auch „Unfall“ dazu sagen – auf einer Kabeltrommel.
Die ganze Chose müffelt doch sehr stark nach Falle und uns Jackie weiß schon sehr bald, wer da nur hinter stecken kann: Sein Onkel Paulie. Dieser macht da auch keinen großen Hehl daraus und steckt Jackie dies per Videobotschaft und zündet dann auch gleich mal ein Bömbchen. Sowas wäre doch mal was für ne Folge Frauentausch.

Mehr geschüttelt als gerührt überlebt diesen Anschlag natürlich der Jackie und kommt an nem Friedhof an, wo er aber schon von Mafia Henchmen erwartet wird.
Dort fiel mir auch zum ersten Mal die doch etwas schwammige Steuerung auf. Besonders, wenn mehrere Gegner um einen herum stehen erweist sich diese doch als schwierig zu meistern. Nicht so lahm, wie bei Kane&Lynch, aber doch ein gutes Stück von der Steuerung eines CoD4 oder Halos.
Was mir aber sehr positiv bis dahin auffiel, waren die Handanimationen. Diese passen sich ein wenig der Umgebung an, sprich wenn man hinter einem Hindernis steht, lugt zum Beispiel die rechte Hand hervor, so dass man teilweise aus der Deckung feuern kann. Jackie gehört desweiteren auch zu einer Minderheit im Shootersektor: Er hat Beine! Und zwar welche, die man nicht nur hören, sondern auch sehen kann. 2 kleine Details, die ich aber schon mal gut finde.

Nachdem man dieses Scharmützel auf dem Friedhof überstanden hat, meldet sich zum ersten Mal der Titel des Spiels zu Wort: Die Darkness. Fortan werden euch 2 modische Accessoires beglücken, Righty und Lefty mit Namen. Diese Tentakel könnt ihr nun per Knopfdruch aus euren Schultern wachsen lassen.
And this is where the fun begins…
Auf dem Speiseplan dieser beiden steht nämlich nur eine Mahlzeit: Herzen. Frische Herzen, die ihr sie auf Knopfdruck fressen lassen könnt. Ein bisschen personality wurde den beiden dann auch noch spendiert, streiten sie sich doch wie 2 kleine Welpen um die Herzen, wobei Righty irgendwie immer gewinnt. Je mehr Herzen ihr gewinnt, desto Höher steigt euer „Darkness Level“ und ihr haltet z.B. mehr Kugeln aus, was auch besonders am Anfang bitter nötig ist, da ihr sehr oft zu Boden gehen werdet.
Nach kurzer Zeit landet ihr dann zum ersten Mal an einer U Bahn Station und hier haben sich die Entwickler kräftig ins Zeug gelegt. Sehr real wirkt dies alles, was nicht nur von den stilvollen Graffitis kommt, auch die Passanten sind sehr lebhaft, sprechen euch an und bitten euch um Gefallen, die ihr erledigen könnt, aber nicht müsst.
Das Spiel gaukelt euch eine offene Welt vor, was besonders in den 2 U Bahn Stationen, welche ihr besucht, zum tragen kommt und auch wirkt.
Leider kann man dies von den Straßen nicht behaupten, wirken die doch sehr einsam und verlassen. Für eine Stadt wie New York ist mir dies dann doch zu trostlos.

Jackie, du kleiner Wutziliputzeli!

Kommen wir aber nun zu den „Hauptdetails“, für die ich dieses Spiel lieben gelernt habe, manifestiert im Charakter der Jenny, die Freundin von Jackie.
Diese bittet ihn zu sich in ihre neue Wohnung in Chinatown und begrüßt ihn erstmal herzhaft mit einem Kuchen. Wie diese Jenny gezeichnet ist, herzallerliebst. Man bemerkt, wie tief ihre Liebe sein muß zu Jackie, in dem in ihr Gesicht sieht. Das haben die Entwickler wirklich klassen hinbekommen. In einer Szene kann man sich dann noch an sie kuscheln und zusammen Fernseh schauen, bis sich ihren Liebling küsst und dann selig einschläft. In der Szene ging mir mein Herz auf, was wohl auch daran lag, dass meine Freundin zufälligerweise an mir lehnte, als dies passierte.
Sowas hatte ich echt nicht erwartet von so einem brutalen Egoshooter. Als Spieler wusste ich, dass ich alles tun würde, um diese Jenny zu beschützen.
Im Verlauf des Spiels werdet ihr ein Waisenhaus betreten, wo „ihr“, also Jackie und Jenny, sich kennen gelernt habt. Von Flashback zu Flashback werdet ihr als Jackie zum mortalen Finale des Levels geleitet und jeder Flashback wird das Ende des Levels noch schrecklicher dastehen lassen. Bitte, bitte nehmt euch später im Spiel noch die Zeit und besucht Jenny´s Wohnung und den Friedhof, dort warten dann nämlich noch 2 weitere Details, die mir sehr gefielen.

Ein Spiel … *nuschel*

Der Rest vom Spiel ist dann sehr stark erzähltes Spielkino. Ihr besucht noch 2 mal die „Underworld“, in der der erste Weltkrieg niemals geendet habt, und schießt und fresst euch durch Gegnerhorden, bis kein Herz mehr schlägt. Hier fällt The Darkness dann vor allem durch sein sehr hohes Gewaltmaß auf, was aber auch ins Setting passt. Wenn man Mafiafilme und ein paar Horrorfilme kennt und mag, wird man sich hier wohl fühlen.
Darklinge, die wohl mit den Schergen aus Overlord verwandt sein müssen, könnt ihr auch noch an bestimmten Portalen herbeirufen, später sind sie aber überflüssig, weil ihr so stark sein werdet, dass ihr mit schwatzen Löchern um euch schmeißen könnt, wie Jecken an Karneval Kamelle.
Das ist auch eine kleine besonderheit: Ist das Spiel am Anfang noch bockschwer, weil ihr kaum was aushaltet, verkommt es zum Ende eher zu einem Staffellauf. Eigentlich kenne ich es eher umgekehrt. Auf eine Art fand ich es aber auch passend, da ihr nun mal diese Superkräfte habt und euch so ein normaler Goon nichts anhaben kann.

Der letzte Level ist dann noch mal besonders krass. Hier tretet ihr Onkel Paulie mal kräftig in seinen Rainer Calmund Gedächtnishintern. Sein Landhaus wird natürlich von einer Großkaserne an Mafiakumpeln bewohnt, die alle von euch vertrimmt werden wollen. Blutig, wenn’s geht. Dieser Level wird euch in Erinnerung bleiben, auch wenn viel gescriptet ist. Doch dies unterstreicht auch den Plot, da Jackie hier die Kontrolle über die Darkness verliert.

Das Ende selbst wurde von vielen kritisiert, zu lasch soll es sein. Okay, es ist auch anitklimatisch. Mir hatte es aber sehr gefallen. Nach der ganzen Scheiße, die euch als Jackie widerfahren ist, gibt es zum Abschluß noch eine letzte ruhige Szene für ihn, wo er den ganzen Mist vergessen kann und in den Armen seiner Liebe liegen kann.

…. dass ihr nicht ablehnen könnt. *nuschel*

Noch ein paar Negativpünktchen:
Jackie an sich ist mir etwas zu glatt, besonders im Gesicht. Nach circa 10 Jahren im Dienste der Cosa Nostra hätte ich mir doch eine Narbe oder wenigstens ein paar Falten vorgestellt.
Sollte er kein Bauchredner sein, hat er auch auch von Lippensynchronisität noch nichts gehört. Desweiteren geht er mir einfach zu lahm. Er muß ja nicht die ganze Zeit den Carl Lewis raushängen lassen, einen Tacken schneller hätte er aber doch gehen können.

Ein weiteres, positives Detail noch, was ich vergaß: Zwischen den einzelnen Levelabschnitten wisecracked Jackie noch ein paar Geschichten, oder posiert mit seinen Knarren. Die Szenen wiederholen sich zwar recht oft, but it surely beats Ladebalken.
Die Stimmen der Protagonisten sind aber sauber vertont und klingen super! Da das Spiel nur auf Englisch erschienen ist, kommen teutonische Spieler Untertitel serviert, die manchmal ein wenig falsch liegen, im Großen und Ganzen aber gut übersetzt sind.

The Darkness
Gute Umsetzung der gleichnamigen Comicvorlage, die unter der Action auch unerwartet emotionale Tiefe vorweisen kann. Ein düsterer Trip!
audiovisuelle Präsentation8
Realisierung der Spielmechanik8
inhaltliche Gestaltung und dramaturgische Aufbereitung9
8.3Gesamtwertung
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